Amphibien der Flürener Heide

Einleitung
Seit Jahren ist bekannt, dass das kleine Restmoor nordwestlich der Zufahrt zum Wasserwerk "Flürener Heide" für die hier lebenden Amphibien eine große Bedeutung als Laichgewässer hat. Es wurden verschiedene, ansonsten sehr seltene Amphibienarten beobachtet, es wurde regelmäßig die Balz der Moorfrösche beobachtet.
Im Gesamtbereich "Diersfordter Wald/Flürener Heide" sind ein Netz von Laichgewässern vor allem für den hier heimischen Moorfrosch bekannt. In den letzten Jahr wird aber auch hier das allgemein bekannte und verbreitete Problem der Laichverpilzung mit der angenommenen Folge einer unzureichenden Reproduktion beobachtet. Obwohl dem Autoren durchaus bewusst ist, dass Reproduktion stattfindet, bleibt die Frage offen, inwieweit die vorhandenen Bestände der Moorfrösche durch Versauerung der Laichgewässer derart ausgedünnt werden, dass ihr Bestand auf Dauer nicht als gesichert anzusehen ist. In diesem Zusammenhang scheint das Laichgewässer am Wasserwerk Flüren zunehmende Bedeutung zu gewinnen, da hier durch einen in den Randbereich des Gewässers mit Kalkschotter gebauten Weg eine gewisse Pufferung des ansonsten sauren Gewässers stattfindet.

Zur Methode
Das aus zwei Teilgewässern bestehende Gewässer wurde, wie in der beiliegenden Skizze erkennbar, mit einem Amphibienfangzaun so abgesperrt, dass die dem Hauptgewässer zuwandernden Amphibien auf den Zaun stoßen mussten und so gefangen werden konnten. Der Zaun stand fängig vom 11.2.00 bis zum 24.5.00. Lage des Fangzaunes an der Zufahrt zum Wasserwerk Flüren Vom 25. März an wurde auch die Innenseite des Zaunes fängig gestellt, da einige Tiere bereits zurückwanderten. Alle Anuren (Froschlurche) wurden bei der Zaunkontrolle gewogen mit einer Genauigkeit von 1/10 Gramm und auf eine Genauigkeit von 1 mm in der Länge vermessen. Die Schwanzlurche wurden teilweise vermessen. Die Tiere wurden nicht markiert und direkt nach der Vermessung auf der anderen Seite des Zaunes wieder freigelassen. Der Zaun bestand aus einem 50 cm hohen engmaschigen Kunststoffgitter, welches an der Unterseite ca. 5 cm in den Boden eingegraben wurde. Alle 10 m wurde ein Kunststoffeimer als Fanggefäß eingegraben.

Ergebnisse
Es wurden insgesamt 4517 zum Gewässer wandernde Amphibien gefangen. Die Tiere setzen sich aus 7 Arten zusammen, das sind Erdkröte (233), Grasfrosch (48), Moorfrosch (999), Teichfrosch( 503), Kleiner Wasserfrosch (831), Teichmolch (390) und Kammmolch (19). Die übrigen 1492 Tiere waren nicht bis zur Art differenzierbare, meist juvenile Grünfrösche.
Bei der Zuwanderung sind 3 Peaks erkennbar, der erste und kleinste am 24/25.2., der zweite vom 28.2. bis zum 1.3. und der dritte und mächtigste vom 8. bis zum 10.3.. Auf den ersten Blick verteilen sich die Zuwanderungsspitzen ungeregelt auf alle zuwandernden Arten Hier fällt allein der Grünfroschkomplex als Ursache für den dritten Peak heraus.
Es waren insgesamt 32 Fangeimer im Abstand von ca. 10m installiert. Davon standen die ersten 21 Eimer an dem den Wald abtrennenden Zaun, die Eimer 22 bis 32 an der Straße und fingen damit die aus landwirtschaftlichen Nutzflächen zuwandernden Tiere. Die Fangzahlen zeigen eindeutig, daß die Zuwanderung weit überwiegend aus dem Wald stattfindet. Die auf der Mitte zwischen den Enden des im Wald liegenden Zaunes befindlichen Eimer haben die höchste Fängigkeit (Grafik 1). Aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen findet nur eine sehr geringe Zuwanderung statt.


Grafik 1:Zuwanderungsrichtung summiert über alle Arten
Grafik 1: Zuwanderungsrichtung summiert über alle Arten


Zu den einzelnen Arten:

Zum MOORFROSCH:
Insgesamt wurden 999 Moorfrösche gefangen. Davon waren 120 (12,01%) Männchen, 338 (33,83%)Weibchen und 541 (54,15%)Juvenile. Bei alleiniger Betrachtung der erwachsenen Tiere stellt sich das Verhältnis so dar, daß 26,2 % Männchen und 73,8 % Weibchen sind, dies ist ein Verhältnis von ca. 1:3.

Grafik 2:Zuwanderung des Moorfrosches, differenziert nach Männchen und Weibchen mit Auftragung der nächtlichen Mindesttemperatur
Grafik 2: Zuwanderung des Moorfrosches, diffenziert nach Männchen und Weibchen mit Auftragung der nächtlichen Mindesttemperatur


Grafik 3:Größenverteilung des Moorfrosches
Grafik 3: Größenverteilung des Moorfrosches


Zum GRASFROSCH:
Insgesamt wurden 48 Individuen gefangen. Davon 18 Männchen, 18 Weibchen und 12 Jungtiere. Damit wird erkennbar, daß dieses Gewässer als Laichplatz für den Grasfrosch von geringer Bedeutung ist.

Zu den GRÜNFRÖSCHEN:
Es wurden an Grünfröschen gefangen: Kleiner Wasserfrosch mit einer Zahl von 829, Teichfrosch mit 501 Individuen und 1492 nicht differenzierbaren Jungtieren. Beim Teichfrosch waren 201 (42,05%) Männchen, 277 (57,95%) Weibchen und 23 Jungtiere, beim Kleinen Wasserfrosch wurden 423 (54,16%) Männchen, 358 (45,84%) Weibchen und 48 Jungtiere bestimmt.

Grafik 4:Zuwanderung des "Grünfrosches"
Grafik 4: Zuwanderungsrichtung des "Grünfrosches"


Zur ERDKRÖTE:
Insgesamt wurden 257 Erdkröten gefangen. Davon waren 166 Männchen, 87 Weibchen und 4 Jungtiere. 28 Männchen bzw. Weibchen waren als Paar zugewandert. Mehrheitlich sind die Tiere aus dem älteren Kiefernwald zugewandert, aber ein Anteil von 19,75% sind von den Ackerflächen gekommen. Bei dieser Zuwanderrichtung machen die Erdkröten den weitaus überwiegenden Anteil aus.

Grafik 5:Zuwanderungsrichtung der Erdkröte
Grafik 5: Zuwanderungsrichtung der Erdkröte


Zum TEICHMOLCH:
Es wurden insgesamt 390 zuwandernde Teichmolche gefangen. Davon waren 122 Männchen, 266 Weibchen und zwei Jungtiere ohne Geschlechtsbestimmung.

Zum KAMMMOLCH:
19 Kammmolche wurden gefangen, davon waren 8 Männchen, 10 Weibchen und ein Jungtier. Die Hauptzuwanderung der Kammmolche kam aus dem Bereich des Kiefernwaldes. Siehe Grafik.

Diskussion
Zunächst ist festzustellen, daß die Gesamtzahl von 4517 zuwandernden Amphibien mit einem Anteil von 2111 Jungtieren ein sehr erfreuliches Fangergebnis ist, welches weit über den erwarteten Zahlen liegt. Der Anteil von 46,7 % Jungtiere belegt, daß in diesem Gewässer eine Reproduktion stattfindet.
Beim Moorfrosch ist das Verhältnis von 1:3 zwischen Männchen und Weibchen nicht schlüssig und widerspricht allen Daten aus anderen Fangaktionen. Eine Erklärung hätte sich daraus ergeben können, dass ein weit überwiegender Anteil Männchen bereits im Herbst soweit zum Gewässer gewandert war, dass sie beim Aufbau des Zaunes bereits auf der Innenseite des Zaunes sassen und nicht mehr miterfasst wurden. Es wurde versucht, diese Individuen durch Fang bei der Rückwanderung zu erfassen. Überraschend war, dass bis zum Abbau des Zaunes am 25. Juli nur insgesamt 168 Moorfrösche, davon 98 Jungtiere rückwandernd erfasst wurden. Dies bedeutet, daß die adulten Tiere keineswegs kurz nach dem Ablaichen das Gewässer wieder verlassen, sondern deutlich länger nach dem Ablaichen im Gewässer verbleiben.
Andererseits bleibt die Frage nach dem tatsächlichen Geschlechterverhältnis weiterhin offen, da der Zaun wieder abgebaut werden musste, bevor alle adulten Tiere das Gewässer verlassen hatten.

Zur Zuwanderrichtung
Bei einer Zuordnung der wandernden Amphibien zu den Zuwanderrichtungen ist deutlich erkennbar, daß aus den landwirtschaftlichen Nutzflächen die geringste Zuwanderung stattfindet. Dies ist sicherlich aus der nur begrenzten Eignung dieser Flächen als Sommerlebensraum für Amphibien abzuleiten. Ausnahme ist hier die Erdkröte, die mit einem Anteil von fast 20 % aus den landwirtschaftlichen Nutzflächen zuwanderte. Im Übrigen ist eine weitere Differenzierung der Zuwanderrichtungen nicht möglich.

Ausblick
Es hat sich gezeigt, daß das Gewässer für die Amphibienfauna der "Flürener Heide" eine außerordentlich hohe Bedeutung als Laichgewässer besitzt. Das Vorkommen von einer kopfstarken Population des Moorfrosches, des kleinen Wasserfrosches und des Kammmolches erfordern eine Ausweisung als Naturschutzgebiet, bzw. Erweiterung des NSG "Schwarzes Wasser" um diese Fläche, um so einen dauerhaften Schutz dieses Gewässers zu sichern. Es sind schonende Pflegemaßnahmen zu erwägen, um den sich ausbreitenden Schilfbestand abschnittsweise wieder zu reduzieren. Es ist Sorge zu tragen, daß die in früherer Zeit hier benutzten Entenbruthilfen nicht mehr eingesetzt werden.
Weitere Schutz- bzw. Pflegemaßnahmen sind aus heutiger Sicht nicht notwendig.
Um die Bestandsentwicklung der Amphibienarten an diesem Laichgewässer beurteilen zu können, soll in Abständen von ca. 3-5 Jahren die Fangaktion wiederholt werden.