Grundlagenerhebung im Weseler Glacis

Um Optimierungsmaßnahmen in den innerstädtischen Grünflächenzügen des "Glacis" vornehmen zu können, beauftragte die Stadt Wesel die Biologische Station im Sommer 1998 mit der Grundlagenerhebung in diesem Bereich.

Inhalt des Auftrages war die Erfassung von Brutvogelfauna, Fledermäusen und Flora.

Die aus diesen Daten gewonnenen Erkenntnisse stellen die Grundlage für die Entwicklung von Optimierungsmaßnahmen vor allem unter dem Naherholungsaspekt dar, da das Glacis als innerstädtischer Grünflächenzug von der Bevölkerung der Stadt Wesel intensiv genutzt wird.

Das Untersuchungsgebiet umfasst die in der Abbildung farbig dargestellten Bereiche des innerstädtischen Grünflächenzuges "Glacis". Die ehemals baumfreien, den Befestigungsanlagen vorgelagerten Flächen, sind heute vollständig von Wald unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Artenzusammensetzung geprägt. Die Gesamtgröße des Untersuchungsgebietes beträgt 27,95 ha.

Untersuchungsgebiet Weseler Glacis



Vögel

Die Kohlmeise ist ein häufiger Höhlenbrüter im Glacis Im Glacis brüten 25 verschiedene Vogelarten, weitere 15 Arten konnten als Gast beobachtet werden. Von den Brutvögeln steht eine Art auf der Roten Liste NRW, zwei Arten stehen auf der Vorwarnliste. Mit über 200 Brutpaaren befindet sich die größte Saatkrähenkolonie innerhalb des Weseler Stadtgebietes im Glacis.

Die Brutvogeldichte von 12,1 Brutpaaren/Hektar ist vergleichbar mit Literaturdaten für Parks und innerstädtische Grünanlagen und unterstreicht, auch was die Artzusammensetzung betrifft, den eher park- als waldähnlichen Charakter des Glacis.

Brutvogel Gast
Amsel Elster
Blaumeise Gartenrotschwanz
Buchfink Grauschnäpper
Buntspecht Hänfling
Dohle Hausrotschwanz
Dorngrasmücke Haussperling
Eichelhäher Heckenbraunelle
Fitis Klappergrasmücke
Gartenbaumläufer Mauersegler
Grünfink Rabenkrähe
Hohltaube Rotdrossel
Kleiber Star
Kohlmeise Stieglitz
Mönchsgrasmücke Tannenmeise
Nachtigall Waldkauz (Status unbekannt)
Ringeltaube
Rotkehlchen
Saatkrähe
Schwanzmeise
Singdrossel
Sommergoldhähnchen
Sumpfmeise
Trauerschnäpper
Zaunkönig
Zilpzalp

Von den 40 im Weseler Glacis festgestellten Vogelarten sind 17 Arten Höhlenbrüter. Natürliche Baumhöhlen sind in diesem Bereich relativ selten, da sich solche "Unterkünfte" meist in alten, morschen oder abgestorbenen Gehölzen befinden. Aus Gründen der Verkehrssicherheit müssen diese aber aus dem Glacisbereich regelmäßig entfernt werden.

Nistkästen
Um für die betreffenden Vögel sowie für Fledermäuse Nist-, Schlaf- und Überwinterungsmöglichkeiten zu schaffen, hat die Stadt Wesel die Biologische Station beauftragt, künstliche Nisthilfen für Vögel sowie Fledermauskästen aufzuhängen. So wurden im Juni/Juli 1999 insgesamt 222 Kästen angebracht. Dabei wurde beachtet, dass sie von den Tieren frei anzufliegen sind, da erfahrungsgemäß hinter Zweigen versteckt liegende Kästen in der Regel nicht angenommen werden. Darüberhinaus erhalten Besucher des Grüngürtels so die Gelegenheit, die Tiere zu beobachten.

Die in etwa 3 bis 4 Metern Höhe angebrachten Kästen wurden wie folgt entsprechend vorhandener geeigneter Hangplätze verteilt:

Kastenart Am Lippeglacis Fischertorstraße Am Ring
Vogelnistkasten 21 11 88
Fledermauskasten 30 16 56
Gesamt 51 27 144


Es handelt sich dabei um Nistkästen verschiedenener Art. So wurden Kästen für größere Arten wie Dohle, Hohltaube und Eulen angebracht, außerdem Höhlen für Meisen, Star, Kleiber und Rotschwänze. Darüberhinaus sind einige Halbhöhlen (u.a. für Grauschnäpper) sowie Baumläuferkästen aufgehängt worden.
Für Fledermäuse sind Flachkästen, Rundkästen und Großquartiere für den Sommer (potentielle Wochenstuben) und Winter (Überwinterungskästen) vorhanden.

Der Anteil der Höhlenbrüter liegt in allen drei Gebieten unter 30 %. Auffällig ist der geringere Anteil der höhlenbrütenden Vögel im Teilbereich "Fischertorstraße" im Vergleich zu den anderen beiden Teilgebieten. Er ist hier 10% niedriger, während mit 26 bzw. 27% der Anteil an Höhlenbrütern in den Teilbereichen "Am Lippeglacis" und "Am Ring" sehr ähnlich liegt.


Fledermäuse

Wasserfledermaus Bis auf die Zwergfledermaus stehen alle in Nordrhein-Westfalen vorkommenden Fledermausarten auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere (LÖBF 1998). In keiner anderen Tiergruppe scheint nach heutigem Kenntnisstand die Bedrohung so groß zu sein wie bei den Chiropteren. Verschiedene, meist vom Menschen verursachte Gründe haben zu dieser Situation geführt. Daher kommt dem Schutz dieser Tiere eine besondere Bedeutung zu.

Fledermäuse nutzen im Laufe des Jahres verschiedene Typen von Lebensräumen, die häufig räumlich voneinander getrennt liegen. Grob unterschieden werden

Sommerquartier
Zwischenquartier
Winterquartier
Nahrungshabitat

Die Glacisanlagen dienen den Fledermäusen als Nahrungshabitat.

Zum Nachweis von Fledermäusen im innerstädtisch gelegenen Grünflächenzug "Glacis" wurden im Herbst und im Sommer während der Nachtstunden jeweils 4-6stündige Begehungen durchgeführt. In den Untersuchungsraum wurde auch der Heubergpark eingeschlossen. Der Nachweis von Fledermäusen wurde mit Ultraschall-Detektoren (Bat-Detektoren) erbracht. Zum Einsatz kamen zwei verschiedene Detektortypen, die sich im technischen Verfahren voneinander unterscheiden. Zum Aufspüren von Fledermäusen eignen sich Frequenzmischer-Detektoren besonders gut. Da bei diesem Verfahren die Detektoren auf Frequenzbänder eingestellt werden, ist ihre Reichweite besonders hoch. Die Technik hat jedoch den Nachteil, dass nicht alle Arten bestimmt werden können. Für eine computergestützte Rufanalytik sind Mischer ungeeignet, da die registrierten Signale verändert werden und somit nicht dem Original entsprechen.
Für die Analytik und somit für die Bestimmung fliegender Fledermäuse bis zum Artniveau sind Zeitdehnungsdetektoren erheblich besser geeignet als Mischer. Deren Reichweite ist jedoch geringer, da das gesamte Frequenzband von 20 - 110 kHz abgedeckt wird.

Die folgende Tabelle zeigt die Möglichkeiten der Artbestimmung anhand von Orientierungsrufen mit Mischer- und Zeitdehnerdetektoren auf. Dabei sind solche Artengruppen grau unterlegt, in denen eine weitere Differentierung mit der jeweiligen Detektorart nach heutigem Kenntnisstand nicht möglich ist.

Deutscher Name Wissenschatftl. Name Mischer Zeitdehner
Große Hufeisennase Rhinolophus ferrumequinum + +
Kleine Hufeisennase Rhinolophus hipposideros + +
Wasserfledermaus Myotis daubentoni
Teichfledermaus Myotis dasycneme
Große Bartfledermaus Myotis brandtii
Bechsteinfledermaus Myotis bechsteinii
Kleine Bartfledermaus Myotis mystacinus +
Wimperfledermaus Myotis emarginatus +
Fransenfledermaus Myotis nattereri +
Großes Mausohr Myotis myotis + +
Kleiner Abendsegler Nyctalus leisleri + +
Großer Abendsegler Nyctalus noctula +
Mopsfledermaus Barbastella barbastellus +
Nordfledermaus Eptesicus nilssonii + +
Breitflügelfledermaus Eptesicus serotinus +
Zweifarbfledermaus Vespertilio murinus +
Zwergfledermaus Pipistrellus pipistrellus + +
Rauhautfledermaus Pipistrellus nathusii + +
Weißrandfledermaus Pipistrellus kuhlii + +
Alpenfledermaus Hypsugo savii + +
Braunes Langohr Plecotus auritus
Graues Langohr Plecotus austriacus


Insgesamt wurden folgende Arten nachgewiesen:

Zwergfledermaus
Rauhautfledermaus
Kleiner Abendsegler
Großer Abendsegler
Breitflügelfledermaus
Wasserfledermaus
(Braunes) Langohr
Mückenfledermaus

Zwerg-, Rauhaut- und Breitflügelfledermaus wurden während des Erhebungszeitraumes an verschiedenen Stellen im Heubergpark nachgewiesen, so dass man davon ausgehen kann, dass der gesamte Park als Jagdgebiet von diesen drei Arten genutzt wird. Vor allem in der Nähe von Beleuchtungskörpern sind Fledermäuse regelmäßig anzutreffen, da viele Insekten das Licht anfliegen und somit eine besonders hohe Beutedichte vorliegt. Zwerg- und die Rauhautfledermaus wurden im gesamten untersuchten Raum beobachtet. Auffällig ist die deutliche Konzentration der Beobachtungen in dem Bereich südlich der B8. Dieser ist charakterisiert durch jüngeren Baumbewuchs und eine kraut- und strauchreiche Unterschicht. Vermutlich ist in diesem Bereich das Nahrungsangebot bedeutend höher als in den älteren Waldgebieten zwischen B8 und der Friedrich-Ebert-Brücke. In diesen älteren Waldungen wurden nur vereinzelt Fledermäuse nachgewiesen, es handelte sich fast ausschließlich um Zwergfledermäuse. Dort gingen die Zwergfledermäuse vor allem entlang der Waldränder zu Straßen und Gärten der Nahrungssuche nach. Innerhalb der bewaldeten Flächen wurde sie fast ausschließlich beim Streckenflug registriert. Als einzige der nachgewiesenen Arten nutzt die Zwergfledermaus das Glacis auch als Balzhabitat. Balzende Zwergfledermäuse wurden im August und September in sämtlichen Teilen des Untersuchungsgebietes, selbst über der B8, registriert.

Die Wasserfledermaus wurde ebenfalls im Heubergpark, dort jedoch nur über den Gewässern am Heubergbad registriert.

Vom Kleinen Abendsegler gelang im Mai 1999 der Nachweis eines Tieres im Streckenflug über der Ravelin-Kasematte, Jagdrufe wurden nicht vernommen.

Der Große Abendsegler wurde ebenfalls nur einmal nachgewiesen. Auch hier handelte es sich um ein Tier im Streckenflug über der Kasematte (7.9.99)

Das Braune Langohr klappt beim Schlafen seine Ohren unter die Flügel Lediglich einmal wurde eine Langohrfledermaus mit dem Detektor nachgewiesen. Da Langohren sehr leise rufen und selbst mit hochempfindlichen Detektoren nur auf eine Entfernung von maximal 5 Meter registriert werden können, sagt diese einzelne Beobachtung nichts über die Häufigkeit der Art im Glacis aus. Vielmehr ist es deshalb ein Zufall, diese Art überhaupt mit der angewandten Methode nachzuweisen. Zudem ist die Unterscheidung der beiden in Mitteleuropa vorkommenden Langohrarten anhand ihrer Orientierungsrufe derzeit nicht möglich. Da Graue Langohren am Niederrhein bisher jedoch nur ein Mal in einer Kirche in Sevelen (Kreis Kleve) nachgewiesen wurden, Braune Langohren regelmäßig in den Wäldern des Niederrheins verbreitet zu sein scheinen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um letztere Art handelte. Zudem überwintern Braune Langohren in der Ravelin-Kasematte.

Des weiteren gelang erstmals für den Kreis Wesel der Nachweis der Mückenfledermaus, die erst seit 2000 als eigene Art diskutiert wird. Bisher wurde sie für eine Zwergfledermaus gehalten, deren Ortungsrufe jedoch (statt üblicherweise bei 42 - 50 kHz) bei 52 - 57 kHz liegen. Neuere molekulargenetische Untersuchungen scheinen zu bestätigen, dass es sich tatsächlich um eine weitere, eigene Art handelt.


Nutzung des Glacis durch die nachgewiesenen Arten:
Art Strecken-flug Jagd Sommer-nachweis Kasten-nachweis Sommer Herbst-nachweis (Zugzeit) Winter-nachweis
Zwergfledermaus + + + - - -
Rauhautfledermaus + + + - - -
Gr. Abendsegler + - + - - -
Kl. Abendsegler + - + - - -
Breitflügelfledermaus + + + - - -
Wasserfledermaus - + + - - -
Braunes Langohr + - + + - +
Mückenfledermaus - - + - - -



Pflanzen

Gut 300 verschiedene Pflanzenarten konnten nachgewiesen werden.

Die interessantesten und vielfältigsten Pflanzenbestände fanden sich im Bereich des Hafens und des Rheinufers sowie im östlichen Teil des Untersuchungsgebietes "Am Lippeglacis". Hier wurden auch die meisten seltenen Arten gefunden. Am Rheinufer und im angrenzenden Hafengebiet fanden sich vor allem Arten der trocken-warmen Standorte, wie etwa der Weinbergslauch und ein großes Vorkommen des Schnittlauchs. Weitere für diesen Bereich erwähnenswerte Arten sind das Sprossende Nelkenköpfchen und die Morgenländische Zackenschote, die schon von BONTE um 1930 im Weseler Hafen gefunden wurde.

Gemeine Ochsenzunge Für die Flächen zwischen der B 8 und den Betriebsanlagen des Grünflächenamtes sind als Besonderheiten der Acker-Krummhals und die Gemeine Ochsenzunge sowie das Eisenkraut zu erwähnen. Die Gemeine Ochsenzunge wurde 1998 hier in großer Zahl gefunden, im Jahr 1999 jedoch nur in geringer Zahl.

Abgesehen vom Frühjahrsaspekt finden sich im eigentlichen Glacisbereich nur wenige erwähnenswerte Pflanzenarten, so etwa der Gemüselauch. Die Flora besteht neben verschiedenen Baum- und Straucharten vor allem aus Arten nährstoffreicher Standorte, wie Brennnessel, Knoblauchsrauke, Giersch und Wiesen-Kerbel. Besonders attraktiv ist der Frühjahrsaspekt im Glacis. Hier fallen im März/April besonders die Blüten von Scharbockskraut, Blauglöckchen und Lerchensporn auf.


Zufallsbeobachtungen

Während der Arbeiten im Glacis wurden sämtliche zufällig beobachteten Tierarten ebenfalls notiert:

Säugetiere (ohne Fledermäuse)

Tagfalter

Nachtfalter

Heuschrecken

Ohrwürmer

Spinnen

Schnecken