Das Steinkauz-Projekt

Steinkauz-Animation Projektzeitraum 1.7.2001 - 31.6.2004
Durchführung Kartierung des Steinkauzbestandes im gesamten Kreis Wesel
Aufnahme der Streuobstwiesen- und Kopfbaumbestände sowie der Grünlandflächen als wichtige Lebensraumstrukturen für den Steinkauz
Ziele Erhaltung vorhandener und Verbesserung potentieller Steinkauzlebensräume im Kreis Wesel auf der Grundlage der erhobenen Daten

Der Kurzbericht mit Ergebnissen aus drei Projektjahren liegt als pdf-Datei vor.




Steinkauz-Info
Der Steinkauz Alter Beobachtung
Feinde Fortpflanzung
Gewölle Lebensraum
Morphologie Nahrung
Nisthilfen Revier
Wanderungen Links


Alter

Die Sterblichkeit von Steinkäuzen ist - wie bei anderen Vögeln auch - bei den Jungvögeln am höchsten. Im risikoreichen ersten Lebensjahr liegt die Sterblichkeit bei 70%, später sinkt sie auf ca. 35%. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Steinkäuzen, die die Brutreife erreicht haben (mindestens 10 Monate alt) beträgt knapp drei Jahre. Dies ist wie gesagt ein Durchschnittswert und soll nicht darüber hinweg täuschen, dass einzelne Steinkäuze durchaus höhere Lebensalter erreichen.

Übrigens...
Das bisher höchste belegte Alter eines in Gefangenschaft lebenden Steinkauzes liegt bei 18 Jahren. Der älteste anhand von Beringungsstudien bekannte, freilebende Vogel wurde 13 Jahre alt.

Beobachtung

Steinkäuze sind leichter zu beobachten als andere Eulen. Der Steinkauz ist bereits in der Dämmerung aktiv und abhängig von der Jahreszeit auch regelmäßig tagsüber zu beobachten.
Zwei Aktivitätsmaxima prägen die Tagesperiodik beim Steinkauz. 15 bis 30 Minuten nach Sonnenuntergang beginnt das abendliche Maximum, das etwa 2 Stunden andauert. Ein "Mitternachtsschläfchen" trennt das Abendmaximum vom Morgenmaximum, welches in den 2 Stunden vor Sonnenaufgang liegt.
Normalerweise überschneiden sich die Aktivitätszeiten von Steinkäuzen und Singvögeln nicht. Dass Singvögel dennoch bisweilen zur Beute von Steinkäuzen werden liegt daran, dass während der Brutzeit die Käuze ihre Aktivitätszeiten ausdehnen. Vor allem ab Anfang Juni, wenn die kleinen Käuzchen schlüpfen, sind die Kauzeltern bis in den Vormittag hinein aktiv und verlassen ihren Tageseinstand abends bereits 1 Stunde vor Sonnenuntergang. Zur Führungszeit (Juli/August) sind sie regelmäßig tagsüber aktiv.
Die flüggen Jungvögel sind in den ersten drei Wochen nach dem Ausfliegen noch häufig tagaktiv. Auch danach sind bettelnde Jungkäuze abends bereits etwas früher aktiv als ihre Eltern.

Übrigens... Der Steinkauz ist "mondsüchtig": In der Zeit um Vollmond ist seine Aktivität größer als um Neumond. Ausschlaggebend hierfür ist vermutlich die stärkere Nachthimmel-Helligkeit.

zur Übersicht

Feinde

Aufgrund ihrer nächtlichen Lebensweise kommt es zu Begegnungen zwischen verschiedenen Eulenarten. Mögliche Fressfeinde für den Steinkauz sind hier alle größeren Eulen. Insbesondere Uhu und Waldkauz sind zu nennen, seltener Schleier- und Waldohreule. So trifft man in der Umgebung von Gehöften Steinkäuze und Schleiereulen regelmäßig in Nachbarschaft erfolgreich brütend an.
Da Steinkäuze zeitweise auch tagsüber aktiv sind, werden sie gelegentlich von verschiedenen Greifvögeln erbeutet.
Eine weitere Gefahr, in erster Linie für Nestlinge und noch nicht flugfähige Jungvögel, geht von Mardern und Hauskatzen aus, wobei der Marder im Kreis Wesel eine geringe Rolle als Kauzjäger spielt.

Übrigens... Auch der Mensch stellte dem Steinkauz in der Vergangenheit nach. Aus Aberglaube ("Totenvogel") wurde er verfolgt oder als Lockvogel mißbraucht.
Heute wird der Mensch unbeabsichtigt zur Gefahr: In Mitteleuropa kommen 20% aller tot gefundenen Steinkäuze bei Kollisionen mit Autos oder Eisenbahnen um; Jungvögel ertrinken oft reihenweise in Viehtränken.

Fortpflanzung

Die Balz der Steinkäuze beginnt Ende Februar. Bis Mitte April sind nun kurz nach Sonnenuntergang vor allem die Rufe der Männchen aber auch antwortende Weibchen zu hören.
Ab Mitte April beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Das Nest befindet sich in Höhlen von alten Bäumen, bei uns vor allem in Kopfweiden und Obstbäumen. Gerne werden auch Nisthilfen angenommen. Auch in ungestörten Schlupfwinkeln an Gebäuden können Steinkäuze bisweilen brüten. Steinkäuze tragen in ihre Nisthöhlen kein Nistmaterial ein.
Das Weibchen legt alle zwei Tage ein Ei, bis das Gelege von 3 bis 5, manchmal auch 7 Eiern voll ist.
Steinkäuze haben nur eine Jahresbrut. Bei Verlust eines Geleges können etwa bis Mitte Juni noch Eier nachgelegt werden. Treten nach dieser Zeit Verluste auf, fällt die Brut für dieses Jahr aus.
Während der rund 4 Wochen, in denen das Weibchen brütet, wird es vom Männchen mit Futter versorgt. Die Jungvögel bleiben nach dem Schlupf etwa 5 Wochen in der Höhle, bis sie noch nicht voll flugfähig zum ersten Mal die Höhle verlassen. Eine Woche später können sie schon gut fliegen, werden von den Eltern aber noch weitere 5 Wochen gefüttert, bis sie dann das elterliche Revier verlassen.
Der Nachwuchs wird gegen Ende des ersten Lebensjahres geschlechtsreif.

Übrigens... Steinkäuze leben in Dauerehe, die durch die Treue zum Brutplatz bedingt ist. Außerhalb der Brutzeit gehen die Paare zwar getrennte Wege, bewegen sich aber innerhalb ihres gemeinsamen Reviers bzw. ihres Aktionsraumes, der etwas größer ist, als das Revier.

zur Übersicht

Gewölle

Steinkäuze verschlingen Insekten und kleinere Mäuse in einem Stück, größere Beutetiere werden angerissen. Die unverdaulichen Reste werden nach 4 bis 12 Stunden als Gewölle wieder hervor gewürgt.
Man findet in den durchschnittlich 30 mm langen, schlanken Gewöllen Käferflügel, Insektenbeine und andere Chitinteile, Knochen, Haare, Federn und auch Sand als Überbleibsel einer Regenwurm-Mahlzeit.
Anhand der Gewölle kann man die Nahrungszusammensetzung des Steinkauzes feststellen. Man erhält aber keine Aussagen zu den jeweilig aufgenommenen Mengen, da Regenwürmer und Insektenlarven wenige bis keine unverdaulichen Bestandteile besitzen.

Übrigens...
Durch Gewölleanalysen lassen sich auch Rückschlüsse auf die im betreffenden Gebiet lebenden Säugetiere ziehen. Anhand der in Gewöllen gefundenen Schädelknochen können Fachleute die Art bestimmen, auf deren Schultern einst dieser Schädel gesessen hat.

Lebensraum

In den Regionen Europas, Nordafrikas und Asiens, in denen der Steinkauz verbreitet ist, stellen Flussterrassen, Steppen, Halbwüsten und Wüsten mit höhlenreichen Wänden und Klippen den ursprünglichen Lebensraum des Steinkauzes dar. Ausgedehnte Waldgebiete meidet er. In der sich ausbreitenden Kulturlandschaft hat er Habitate gefunden, die er ähnlich nutzen kann, wie die oben genannten "Primärhabitate". Wichtig sind dabei für ihn folgende Voraussetzungen:
  • Es gibt Brutplätze und Tageseinstände in Form von Höhlen.
  • Er findet Jagdmöglichkeiten auf Flächen mit ganzjährig niedriger Vegetation.
  • Es sind erhöhte Sitzwarten vorhanden, von denen aus er nach Beute Ausschau halten kann.
In Mitteleuropa und speziell bei uns am Niederrhein sind es ganz bestimmte Strukturen, die ihm diese Möglichkeiten bieten:
Extensiv genutzte Wiesen und Weiden (Jagdhabitat), die durch Zäune und Hecken (Sitzwarten) strukturiert sind, Kopfbaumbestände und Obstwiesen (Höhlen).
Die Erhaltung dieser Strukturen als Lebensraum spielt die wichtigste Rolle beim Schutz des Steinkauzes.

Übrigens... Den Steinkauz gibt es auch in Neuseeland, wo er allerdings eingebürgert wurde. Seine Habitatansprüche werden dort unter anderem in Spalierobstplantagen und Tonsteilwänden, die durch Goldgräberarbeiten entstanden sind, erfüllt.

zur Übersicht

Morphologie

In Mitteleuropa ist der Steinkauz die drittkleinste Eule: In Südeuropa lebt die etwas kleinere Zwergohreule und in den Wäldern Nordeuropas kommt der noch kleinere Sperlingskauz vor.
Tatsächlich ist der Steinkauz kleiner als eine Haustaube - sein lockeres Gefieder und der breite Kopf täuschen darüber schnell hinweg. Doch mit ca. 180 g wiegt er kaum soviel wie zwei Tafeln Schokolade.
Die hellen "Augenbrauen" verleihen dem kleinen Kauz seinen typischen Gesichtsausdruck. Aus gelben Augen mustert er sein Gegenüber eindringlich.
Steinkauz-Portrait


Nahrung

Steinkäuze haben ein weites Nahrungsspektrum, wodurch sie sich gut an das jeweilige lokale Beuteangebot anpassen können. Sie jagen auf dem Boden laufend oder von Ansitzwarten in 0,5 bis 2,5 Metern Höhe aus.
In Mitteleuropa machen Insekten und Regenwürmer zahlenmäßig (nicht gewichtsmäßig) den Hauptteil der Beute aus: ca. 75%. Die restlichen 35% setzen sich zusammen aus Feldmäusen (diese stellen gewichtsmäßig die Hauptbeute der Steinkäuze dar), Spitzmäusen sowie auch Kleinvögeln, Reptilien und Amphibien.
Vor allem im Sommer spielen Insekten und Regenwürmer eine große Rolle und stellen auch den Großteil der Jungennahrung dar. Das Maximum der Insektendichte fällt in diese Zeit, außerdem sind die Altvögel im Spätsommer durch die Mauser in ihrer Beweglichkeit etwas beeinträchtigt, so dass die Jagd auf schnelle Beutetiere wie Mäuse eingeschränkt ist.
Unter den Kleinvögeln werden solche Arten erlegt, die am Boden der Nahrungssuche nachgehen wie Stare, Drosseln und Sperlinge sowie deren noch nicht voll flugfähigen Jungen. Auch werden gelegentlich Küken aus den Nestern geraubt.

Übrigens... Bei Nahrungsengpässen kann der Steinkauz sogar Beutetiere schlagen, die schwerer sind als er selbst: Das größte nachgewiesene Beutetier war eine Wanderratte!
Auch Aas verschmäht der Steinkauz nicht. Als Schweine- und Haushuhnreste in Steinkauzhöhlen gefunden wurden, ging man davon aus, dass der Kauz diese wohl nicht selber geschlagen hatte...

zur Übersicht

Nisthilfen

Dem Steinkauz kann man mit künstlichen Nistkästen helfen, wenn in geeigneten Biotopen das Angebot natürlicher Höhlen fehlt. Geeignet sind als Standorte nur solche Gebiete, die als Lebensraum für den Steinkauz in Frage kommen und seine Bedürfnisse erfüllen (siehe hierzu "Lebensraum"). An ungeeigneten Standorten Nisthilfen aufzuhängen führt letzlich nur zu Enttäuschungen und hilft dem Steinkauz nicht.

Hilfe und Rat beim Bauen und Aufhängen von Steinkauz-Nistkästen bekommen Sie bei den verschiedenen NABU-Ortsgruppen im Kreis Wesel.

Revier

Mit "Revier" oder auch "Territorium" ist die gegenüber Artgenossen verteidigte Fläche gemeint. Durch Attrappenversuche mit Kauzimitationen kann man sehr genau dessen Grenzen herausfinden. Diese sind scharfe Abgrenzungen zwischen den einzelnen Revieren und verlaufen zum Teil entlang markanter Geländestrukturen wie Baumreihen, Zäune oder Gebäude.
Die Größe des Reviers variiert im Laufe des Jahres:
Sie ist am größten zur Hauptbalzzeit im März/April und wird geringer zur Brutzeit im Mai/Juni. Am kleinsten ist das verteidigte Gebiet zur Zeit der Jungenaufzucht und Mauser im Juli/August, da die Vögel dann hauptsächlich in der Nähe des Nistplatzes jagen. Ab September werden wieder größere Gebiete verteidigt.
Steinkäuze sind reviertreu, zum überwiegenden Teil ihr Leben lang. Gründe für einen Revierwechsel sind am häufigsten das Entdecken qualitativ besserer Reviere, am seltensten ist es der Verlust des Partners.

Übrigens... Die Treue zur Bruthöhle ist dagegen ganz unterschiedlich ausgeprägt: Sie reicht von lebenslanger Treue bis zu jährlichem Höhlenwechsel. Ausschlaggebend für den Bruthöhlentausch ist dabei sowohl die Qualität der Höhle als auch das quantitative Angebot weiterer Höhlen im Revier.

zur Übersicht

Wanderungen

Steinkäuze sind Standvögel, das bedeutet sie verlassen ihr Brutgebiet auch im Winter nicht. Herumstreifende Jungvögel kann man frühestens ab Anfang Juli beobachten. Sie sind dann 2 bis 3 Monate alt und beginnen mit der Abwanderung aus dem elterlichen Revier. Die meisten Jungkäuze siedeln sie sich nicht weiter als 10 km von ihrem Geburtsort entfernt an. Wenn kein geeignetes Revier oder kein Partner gefunden wird, kann es zu Rückwanderungen kommen.

Übrigens... Den bisherigen Rekord hält ein Steinkauz, der sich 600 km von seinem Geburtsort entfernt hat. Er flog von Württemberg bis nach Polen, stellt damit allerdings eine Ausnahme dar.

zur Übersicht