|
... dann wird unsere Region ein Stück weit ärmer! Zugegebenermaßen werden wir den Teufel schon nicht vermissen, wenn er denn der niederrheinischen Landschaft keinen Besuch mehr abstatten würde. Nun aber: "Wo soll der Teufel denn wohl, zum Satan nochmal, ´reinbeißen?" Natürlich in eine Heilpflanze, deren wohltuende Wirkung gegen Steinleiden er den Menschen nicht gönnt. Und als Bewohner des Erdinnern gelangt der Teufel am leichtesten an die Wurzel, welche er von unten her abbeißt. Morsus Diaboli, der Biss des Teufels oder der Teufelsabbiss. So wird die Pflanze genannt, weil ihre Wurzel am unteren Ende wie abgebissen erscheint. Der Botaniker spricht von Succisa pratensis: Succisa = die unten Abgeschnittene, pratensis = auf der Wiese wachsend.
Der Teufelsabbiss gehört zur Familie der Kardengewächse. Deren Vertreter zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Blüten in köpfchenartigen Blütenständen (Scheinblüten) zusammengefasst sind, analog denen der Korbblütler. Ihre Blätter sind immer gegenständig. Durch die Blütezeit vom Hochsommer bis in den Oktober hinein, stellen die Blütenköpfchen besonders attraktive Nektarlieferanten für die Insekten im Herbst dar.. Der Teufelsabbiss, dessen ältere Teile des Wurzelstocks absterben, trägt blauviolette, selten auch rosa-weißliche, vierzipflige Blüten in Köpfchen von ca. 2,5 cm Durchmesser. Die locker verzweigten Blütenschäfte erreichen eine Höhe von mehr oder weniger 50 cm. Die Blätter besitzen eine ovale bis lanzettliche Form und befinden sich überwiegend bodennah. Ökologisch ist der Teufelsabbiss eine Pflanze der Mangelstandorte: sie besitzt ihren standörtlichen Schwerpunkt in Magerrasen und mageren Wirtschaftswiesen, deren Wasserhaushalt sich oft durch Wechselfeuchte auszeichnet. Mehrfachnutzung und Düngung unter Förderung hochwüchsiger Konkurrenzpflanzen führt zur raschen Verdrängung von Succisa pratensis, So verwundert es nicht, dass der Teufelsabbiss in unserer "verfetteten" Landschaft auf ihm zusagende Restflächen zurückgedrängt wurde. Besonders im Tiefland wurde der Rückgang dieser Art unterschätzt, so dass sie erst 1999 für NRW auf die Rote Liste gesetzt wurde. Im Niederrheinischen Tiefland gibt es vielleicht keine 15 Vorkommen mehr. Der Schwerpunkt befindet dabei im östlichen Kreis Wesel. Damit fällt dem Kreis Wesel eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Pflanzenart im Niederrheinischen Tiefland zu. Die selten mehr als ein halbes Dutzend Exemplare aufweisenden Restbestände findet man auf Wegrändern und an Grabenböschungen in den ehemaligen Heidegebieten. Aber auch diese Standorte sind durch diffuse Nährstoffeinträge einer schleichenden Umwandlung unterworfen, so dass es wohl kaum mehr als ein Jahrzehnt braucht, bis die Art in unserer Region ausgestorben sein wird, wenn nicht umgehend Gegenmaßnahmen getroffen werden. Seit zwei Jahren bemüht sich die Biologische Station um die Erhaltung der letzten Vorkommen des Teufelabbisses im Kreis Wesel (Rückgang von 50 auf 10 Vorkommen in den letzten 20 Jahren) und um die Ansiedlung der Art auf geeigneten Flächen in den Schutzgebieten aus heimischen Samenmaterial. Meldung von Vorkommen Bitte teilen Sie uns Fundmeldungen von Succisa pratensis, dem Teufelsabbiss mit. Um eine große genetische Vielfalt zu bewahren, möchten wir bei unseren (Wieder-) Ansiedlungen auf möglichst viele Spender-Vorkommen zurückgreifen können. Deshalb ist jeder noch so kleine Bestand von Bedeutung. Auch Meldungen von Funden aus der Umgebung des Kreises Wesel (Kreise Kleve, Borken und Recklinghausen; Städte Bottrop und Oberhausen) und aus anderen Teilen des Niederrheinischen Tieflandes (Kreise Viersen und Heinsberg, Städte Krefeld, Duisburg und Düsseldorf) sind von großer Bedeutung. Verwechslungs-Möglichkeiten... ... bestehen mit folgenden ähnlichen Arten aus derselben Pflanzenfamilie: Knautia arvensis, Witwenblume, und Scabiosa columbaria, Tauben-Skabiose. Im Gegensatz zum Teufelsabbiss sind die Vertreter beider Arten von kräftigerem und höheren Wuchs und besitzen größere Blütenköpfchen (2 – 4 cm bzw. 1,5 – 3,5 cm). Ihre Blätter sind mehr oder weniger deutlich gelappt. Sie bevorzugen trockenere Standorte. Die Tauben-Skabiose steht für den Niederrhein ebenfalls auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, die Witwenblume geht leicht zurück. Im Kreis Wesel haben beide Arten ihren Verbreitungsschwerpuinkt auf höher liegenden Standorte in der Aue von Rhein und Lippe. Auch für diese Arten, besonders für die Tauben-Skabiose, werden Fundmeldungen gerne entgegengenommen. Kontakt Wilhelm Itjeshorst Freybergweg 9 D-46483 Wesel E-Mail an Wilhelm Itjeshorst Telefon: 0281 96 2 52 16 Telefax: 0281 96 2 52 22 | |
![]() Blütenstand vom Teufelsabbiss | |
![]() Die Blütenschäfte sind locker verzweigt | |
![]() Der Teufelsabbiss wächst an Wegrändern | |
![]() Im Herbst besuchen viele Insekten die Blüten des Teufelsabbiss | |
![]() Schwebfliege auf Teufelsabbiss | |