Zweimal vom Winde verweht, danach Flaute- wie die Lobelie ins "Schwarze Wasser" kam und leider wieder gingDie Wasserlobelie (Lobelie nach dem Botaniker Matthias de L'Obel) erfreut sich zurzeit bei LiebhaberInnen niederrheinischer Kriminalromane ungewohnten Interesses. Wem, wenn nicht einigen wenigen botanisch interessierten, war sie denn überhaupt ein Begriff, bevor Erwin Kohl sie in seinem Roman „Schwarzes Wasser“ jüngst in das Licht der Öffentlichkeit hob? Bei Erwähnung der Wasserlobelie steht sie Ihnen sicher sofort vor dem inneren Auge: die bekanntere Version der Lobelie, sattes Blau mit hellen Akzenten, unermüdlich blühend. Während uns das „Männertreu“ beständig durch das Jahr begleitet, gibt sich die verwandte Wasserlobelie als zart weiß blühende, anspruchsvolle und deshalb „unbeständige Schöne“. Ihr Vorkommen im „Schwarzen Wasser“, dem einzigen heute noch existierenden Heideweiher am Unteren Niederrhein, ist schon seit 1923 nicht mehr nachzuweisen. Wäre die Wasserlobelie da, könnte man im Juli die kleinen weißen Blüten im Uferbereich sehen, die aus dem klaren Wasser, das die Blattrosetten umgibt, hervorragen. Aber zunächst einmal ein Rückblick auf die Verhältnisse, in denen sie sich wohl fühlte: Wind zum ersten.....Der Wind war wesentlich an der Formung der Heideweiher und somit an der Schaffung des Lebensraumes für die Wasserlobelie beteiligt. Nach der Eiszeit konnte er das noch unbewachsene Gelände formen, Dünen aufhäufen und Mulden ausblasen. Selten, aber wie im Fall des Schwarzen Wassers, sorgte eine schmale Schicht Lehm im sonst sandigen Boden dafür, dass das Regenwasser sich in der Mulde „auf den Dünen“ hielt und nicht versickerte. In nährstoffreicher Umgebung verschwinden solche Gewässer normalerweise durch Verlandung. Damit das Gewässer zur Heimat der Wasserlobelie werden konnte, war die Jahrhunderte währende Tätigkeit des Menschen erforderlich: Roden des umgebenden Waldes und Umwandlung in eine Heidelandschaft.... und zum zweiten MalHeideweiher sind klar geblieben, denn sie erhielten keinen nennenswerten Nährstoffeintrag. Sie sind dem Wind zudem schutzlos ausgeliefert. Der Wellenschlag am Ufer „treibt“ das wenige organische Material dazu, sich eher in der ruhigen Mitte des Gewässers abzusenken, wo es vermutlich mineralisiert wird, ohne den Nährstoffgehalt des Wassers nennenswert zu erhöhen (Vahle 2007). Der Blick auf den Sandboden blieb klar in der lichtdurchfluteten Uferzone, und so konnte sich das zarte Pflänzchen ansiedeln, denn unter Schlamm und Schlick kann es nicht leben.Heute weht nicht mehr viel Wind über das Schwarze Wasser. Das Verschwinden der Heidenutzung, die Ansiedelung von Gehölzen und auch andere Faktoren wie der ehemalige Badebetrieb führten dazu, dass großflächig Schlammablagerungen und eine an diese weit häufiger anzutreffenden Verhältnisse angepasste Pflanzenwelt die Uferzone des („schwarzen“) Wassers bedecken. 1906 wurde die Wasserlobelie in der Flora von Hegi in einer Fotografie vom Schwarzen Wasser verewigt, und trug damit zur Berühmtheit des Weihers in Botanikerkreisen bei. Heute, 2010, lenkt der Krimiautor Erwin Kohl in seinem Buch „Schwarzes Wasser“ unsere Aufmerksamkeit auf die Pflanze. Es wäre der Biologischen Station im Kreis Wesel eine besondere Ehre, die in dem Roman angedeutete Wiederansiedlung der Wasserlobelie im "Schwarzen Wasser" Wirklichkeit werden zu lassen. Unser Dank an H.-Chr. Vahle für die Genehmigung zur Verwendung des Fotos und des Aquarells auf dieser Seite. Literatur:
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![]() Wasserlobelien in Blüte Foto: Hans-Christoph Vahle | |
![]() Das „Schwarze Wasser“ war seit 1936 eigenständiges Naturschutzgebiet und ist mittlerweile ins weit größere NSG „Diersfordter Wald“ übergegangen Foto: Biologische Station im Kreis Wesel | |
![]() Ideale Bedingungen für die Lobeliengesellschaft: Wind und Wellenschlag Aquarell: Hans-Christoph Vahle, aus: Vahle (2007) | |
![]() Download der – noch auf das alte NSG bezogenen – Broschüre: „Naturschutzgebiet Schwarzes Wasser“ - Achtung, Adresskorrektur: die Anschrift der Biologischen Station ist seit 2001: Freybergweg 9 statt Diersfordter Str. 9. | |