"Jeder Storch ist ein Gewinn"
Ein Projekt der Biologischen Station unter der Patenschaft von Konrad Beikircher
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Der Weißstorch am Niederrhein

Weißstorch am Nest
Einleitung

Der Weißstorch Ciconia ciconia ist ursprünglich ein Vogel der halboffenen Flußauen und Flachlandmoore. Er besiedelte Gesamteuropa mit Ausnahme der Britischen Inseln, östlich bis Moskau, nördlich bis im Süden Fennoskandiens, bis zu einer Höhe von etwa 500 m. Die großen, auffällig schwarz-weiß gezeichneten Schreitvögel mit dem leuchtend roten Schnabel und Beinen brüteten in gebirgigen Gegenden auf erhobenen Felsen und Solitärbäumen und im Flachland auf Solitärbäumen sowie am Rande von Auwäldern. Entscheidend für die Wahl der Brutplätze waren und sind die freien An- und Abflugmöglichkeiten. Darüber hinaus brauchen sie offenes Land mit einer nicht zu hohen Vegetation in Horstnähe für die Nahrungsuche.

Weißstörche sind Zugvögel, die im Spätsommer und Herbst zu ihren Winterquartieren in Afrika ziehen, wo sie sich vornehmlich in Savannen und Steppengebieten aufhalten. Die allmähliche Umwandlung der europäischen Naturlandschaft in eine weitgehend offene, vielerorts noch recht feuchte Kulturlandschaft, die mit dem Durchbruch der Landwirtschaft einige Jahrtausende vor Beginn unserer Jahrzählung einsetzte, hat die Siedlungsmöglichkeiten des Weißstorches bis ins 19. Jahrhundert hinein zweifellos vergrößert. Im Laufe dieser Entwicklung wurden zunehmend menschliche Bauten als Niststandort und Kulturflächen als Nahrungsflächen akzeptiert. Der altdeutsche Name "Adebar" ist möglicherweise auf das mittelhochdeutsche "uda faran" = "Feuchtgebiets-/Sumpfgänger" zurückzuführen, was auf den ursprünglichen Biotop des Weißstorches hinweisen würde. Es gibt jedoch auch Deutungen des Namens, die vielmehr auf die symbolische Bedeutung des Namensträgers hinweisen, wie z.B. eine Ableitung aus dem gotisch-althochdeutschen "audr beran" = "Besitz/Reichtum/Segen/Leben-Bringer" oder aus "atum beran" = "Atem/Seele-Träger".

Im Gegensatz zu dem nahezu gleich großen Graureiher, der Jahrhunderte lang unberechtigt als Fischschädling verfolgt wurde, genoss der Weißstorch eben so lange den besonderen Schutz des Menschen. Als Göttervogel bei den Ägyptern, Römern und Germanen, als Garant für Gottes Segen und Glück und Beschützer gegen Blitzschlag und Feuer sowie von jeher als Symbol der Elternliebe und ehelichen Treue, spielte der Weißstorch nahezu überall eine positive Rolle im europäischen Volksglauben. Bis heute löst die Rückkehr der ersten Störche aus dem afrikanischen Winteraufenthalt jedes Frühjahr Freude aus und in manchen Teilen Europas brachte der Storch sogar die Ostereier, bis er diese wichtige Aufgabe Anfang des 20. Jahrhunderts nach und nach dem Feldhasen überlassen musste. Während Graureiherkolonien in den letzten Jahrhunderten reihenweise zerstört und Graureiher vielerorts bejagt wurden, stellten dieselben Menschen Nisthilfen auf ihre Häuser, um die brütenden Weißstörche an sich zu binden und wurde das Töten eines Storches bis vor wenigen Jahrhunderten vielerorts bestraft, bis ins späten Mittelalter hinein, regional sogar mit dem Tode.

Als ursprünglicher Brutvogel der halboffenen Naturlandschaft hat sich der Weißstorch, im Gegensatz zum Graureiher, schon früh ans Leben in der sich entwickelnden Kulturlandschaft angepasst und die Nähe des Menschen gesucht. Als Ersatz für Felsen und hohe Solitärbäume nahmen sie als Niststandort zunehmend Dächer, Kirchtürme und Schornsteine an, während sie zur Nahrungsaufnahme auf den feuchten Grünlandflächen zu finden waren. Diese freiwillige Nähe zum Menschen, ihre Gefiederfärbung (vornehmlich weiß = Reinheit!) sowie ihre alljährlich pünktlicher Rückkehr zum Frühjahrsanfang führte wahrscheinlich zu der hohen symbolischen Bedeutung des Weißstorches und der unterschiedlichen Bewertung des Graureihers (scheue, vornehmlich graugefärbte Standvogel) und des Weißstorches.

Bestandsentwicklung vom 19. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre

Die alten Legenden besagen, wenn in einem Haus Unfriede, Unehrlichkeit, Unrecht und Untreue herrschen, verlassen die Brutstörche dieses Haus. Wenn dieser alte Volksglaube auch nur eine Spur von Wahrheit enthält, muss es in den letzten 150 Jahren um die Moral im Westen Europas schlecht bestellt gewesen sein. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts zeigte sich im Westen Europas ein zunehmend beschleunigter Rückgang der Zahl brütender Störche. Hierdurch alarmiert organisierten die Ornithologen 1934 die erste europaweite Weißstorch-Zählung, die seitdem zumindest alle zehn Jahre wiederholt wird.

Die regelmäßigen Erfassungen zeigten erschreckende Bestandsrückgänge in den einzelnen westeuropäischen Ländern. So gingen die Brutbestände im ehemaligen "Storchenland" Dänemark zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und den 1990er Jahren von über 4.000 Paare auf weniger als 10 zurück, und der um das Jahr 1900 auf ca. 140 Brutpaare geschätzte Bestand der Schweiz war um 1950 erloschen.

In den Niederlanden zeigte der Weißstorch einen vergleichbaren Bestandsverlauf. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigte sich ein starker Bestandsrückgang: während die westlichen Niederlande im 18. Jahrhundert noch dicht mit Störchen besiedelt waren, wurden hier Mitte der 1930er Jahre nur noch 35 Brutpaare gezählt. Zu dieser Zeit gab es in den gesamten Niederlanden noch 274 Brutpaare. In den 1950er Jahren lag der Bestand nur noch zwischen 50 und 100 Brutpaaren, 30 Jahre später waren es nur noch 5 und Anfang der 1990er Jahre gab es keine wilden Brutpaare des Weißstorches mehr in den Niederlanden.

Zwischen den 1930er und 1950er Jahren stellte man im heutigen Deutschland einen Bestandsrückgang von ca. 9.000 auf ca. 5.000 Brutpaare (minus 45%!) fest. In den 1960er Jahren zählte man ca. 4.500, 10 Jahre später noch ca. 4.000 und in den 1980er nur noch ca. 3.400 Brutpaare, wobei der Rückgang vornehmlich auf Westdeutschland beschränkt war.

In Nordrhein-Westfalen gab es um 1900 schätzungsweise 80-100 Storchbrutpaare, mit Schwerpunkten in der Rhein- und Weseraue. Im Jahre 1988 waren nur noch 5 Brutpaare übrig, alle im Kreis Minden-Lübbecke.

Auch am Niederrhein war der Bestandsniedergang dramatisch. Um 1900 brüteten in den heutigen Kreisen Kleve und Wesel, ausschließlich nördlich einer Linie von Kamp-Lintfort über Orsoy nach Wesel, noch etwa 40 Brutpaare. Im Jahre 1922 brütete auf Gut Grindt (Xanten-Wardt) das letzte Brutpaar des Altkreises Moers, während gleichzeitig noch weitere 8 Brutpaare im Kreis Kleve gezählt wurden. Dies bedeutet einen Rückgang von fast 80% in 22 Jahren! Durch das Aussetzen junger Storchpaare versuchte die Staatliche Stelle für Vogelschutz in Rossitten den Niedergang noch aufzuhalten. Aber im Jahre 1938 wurden im Kreis Kleve nur noch 3 Brutpaare gezählt und in den 1940er Jahren brütete ein letztes Paar um Kranenburg-Scheffenthum. Seit 1948 gab es am Unteren Niederrhein keine erfolgreichen Storchbruten mehr und wurden nur noch einige Brutversuche registriert, die jedoch meist schon beim Nestbau scheiterten, z.B. in Kranenburg-Vrasselt (1958 und 1959), Schenkenschanz (1965 und 1966) und Rees (1976).

Eine Analyse der vorliegenden Daten zeigt, dass es ab Mitte des 19. Jahrhunderts, unterbrochen durch einige kurze Erholungsphasen, bis in die 1980er Jahre im gesamten Südwesten Europas von Dänemark bis Spanien starke Bestandsrückgänge des Weißstorches gab, die regional zum Erlöschen der Bestände führten. Demgegenüber wiesen die Bestände in den östlichen Teilen Europas regional sowohl Bestandszunahmen als auch Bestandsabnahmen sowie stabile Bestände auf.

Gründe für den Bestandsrückgang

Da der starke Bestandsrückgang der Weißstörche vornehmlich die westeuropäische Population betraf, die zum Überwintern über Gibraltar nach West-Afrika zieht, und die östliche Population, die über Bosporus und Israel nach Ostafrika zieht, hiervon weitgehend verschont blieb, nahm man an, dass vornehmlich negative Entwicklungen entlang des westlichen Zugweges und im westafrikanischen Wintergebiet den Auslöser des negativen Bestandtrends bildeten. Als Hauptgründe des Bestandsrückgangs wurden dann auch die Ausdehnung der Sahara und der Sahel-Zone sowie die intensivere Flächennutzung und zunehmende Verfolgung in den Wintergebieten genannt. Daneben hat sich die Qualität der Lebensräume in den westeuropäischen Brutgebieten nach und nach verschlechtert durch die Intensivierung und Technisierung der Landwirtschaft, die Entwässerung, Ausräumung und Verdrahtung der Landschaft, die Verbauung und Zerschneidung von Freiflächen und die Umwandlung von Grünland in Ackerflächen. Da die intensive Flächennutzung im Westen Europas wesentlich effektiver und flächendeckender war als im Osten, wirkten die negativen Faktoren vornehmlich im westlichen Teil des Storchbrutgebietes.

Bestandsentwicklung seit den 1980er Jahren

Der dramatische Bestandsrückgang führte in vielen europäischen Staaten dazu, dass spezielle Schutzprogramme für den Weißstorch entwickelt wurden. In den meisten Fällen bestanden diese aus zwei wesentlichen Bestandteilen; einerseits wurden traditionelle Storchgebiete mittels Naturschutzmaßnahmen (u.a. Erwerb, Nutzungsextensivierung und Wiedervernässung von Nahrungsflächen) für die großen Schreitvögel wieder optimiert, während andererseits Zuchteinrichtungen geschaffen wurden, in denen Störche gezüchtet und für ein Leben in Freiheit ausgewildert wurden. Obwohl insbesondere über die Sinnhaftigkeit der Storchenzucht und -auswilderung kontrovers diskutiert wurde, ist die Rückkehr der Störche in mehreren westeuropäischen Ländern vornehmlich auf die Ausbürgerung von Zuchtstörchen zurück zu führen. So starteten die Schweiz und die Niederlande in den 1960er Jahren ein Zucht- und Ausbürgerungsprogramm und zählen gegenwärtig wieder rund 170 bzw. 280 brütende Storchpaare, die vornehmlich auf die bestandsstützenden Maßnahmen zurück gehen.

Auch im Elsaß und in Deutschland (u.a. in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein) wurden mehrere "Storchfarmen" gegründet und mehrere Vogelparks und Zoos ließen ihren Storchnachwuchs frei fliegen. Diese freifliegenden Zuchtstörche trugen wesentlich zur Zunahme der Weißstorchbestände im Westen Deutschlands bei. Viele Paare in Baden-Württemberg bestehen ganz oder teilweise aus ausgesetzten Vögeln bzw. ihrem Nachwuchs und schweizer, französische und niederländische Zuchtstörche mischten sich zunehmend unter die westdeutschen Brutvögel. Daneben gab es Zuwanderung aus den noch dichter besiedelten östlichen Nachbarstaaten, wie Ringfunde und Beobachtungen von osteuropäischen Störchen in den Niederlanden und Deutschland belegen.

Aufgrund dieser Entwicklung nahm der Weißstorchbestand in Deutschland seit der zweiten Hälfte der 1980er Jahre wieder zu, so dass im Jahre 1995 wieder ca. 4.200 Brutpaare gezählt werden konnten, d.h. eine Zunahme von 20-25% in 10 Jahren! Auch in Nordrhein-Westfalen bekam Adebar Aufwind; der Bestand im Kreis Minden-Lübbecke erholte sich von seinem Tiefpunkt von 5 Paaren in den 1980er Jahren auf 10 Paare (von denen 6 erfolgreich brüteten) im Jahre 2001 und der Untere Niederrhein wurde erneut besiedelt.

In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre übersommerten regelmäßig einige Weißstörche in der niederrheinischen Aue zwischen Kleve und Nimwegen und im Jahre 1988 kam es zu einem ersten Brutversuch im niederländischen Teil des Gebietes. In Reaktion darauf wurden auf deutscher Seite mehrere Nisthilfen errichtet. Im Jahre 1993 konnte auf einer dieser Nisthilfen in Zyfflich intensive Balz eines Weißstorchpaares beobachtet werden, der die Nisthilfe nicht gewachsen war; sie brach zusammen und es kam nicht zu einer Ansiedlung. Zwei Jahre später gab es einen erneuten Brutversuch, dieses mal auf einer stabileren Nisthilfe ebenfalls in Zyfflich. Das Paar verteidigte seinen Horst gegen einen weiteren Storch und ein Nilganspaar, balzte und kopulierte regelmäßig, brach aber seinen Brutversuch vorzeitig ab. Ob es noch zur Eiablage gekommen ist, ist unbekannt. Im Jahre 1996 war es dann endlich so weit, nach fast 50 Jahren brüteten erstmalig wieder Weißstörche erfolgreich am Unteren Niederrhein. Das Paar in Zyfflich zog erfolgreich 3 Jungvögel groß. Im nachfolgenden Jahr bebrütete dasselbe Paar erfolgreich mindestens 4 Eier, aber die Jungen verstarben schon nach einer Woche, wahrscheinlich in Folge von Wasserstau in der Nestmulde nach ergiebigen Regenfällen. In 1998 zog das Paar nur einen Jungvogel groß und in 1999 flogen zwei Jungvögel aus. Im diesem Jahr bekam das Zyfflicher Paar Gesellschaft von einem weiteren Paar, das einen Horst bei Pannerden auf niederländischer Seite der Grenze nur wenige Kilometer entfernt besetzte und einen Jungvogel groß zog. Im Jahre 2000 brüteten ebenfalls Störche bei Zyfflich und im Ooypolder. Nur das Paar im Ooypolder war erfolgreich und zog einen Jungvogel auf. Im Jahr 2001 gab es sogar 6 Storchpaare am Niederrhein zwischen Nimwegen und Duisburg: im Ooypolder auf niederländischer sowie in Zyfflich, Hüthum, Keeken, auf der Bislicher Insel bei Xanten und in der Walsumer Rheinaue bei Duisburg auf deutscher Seite der Grenze. Nur die Paare in Zyfflich (2 Jungvögel) und im Ooypolder (1 Jungvogel) waren erfolgreich. Im Jahr 2002 gab es am Unteren Niederrhein fünf brütende Storchenpaare mit insgesamt 3 Jungvögeln: Die Paare in Zyfflich und Pannerden brüteten erfolglos und die Paare im Ooypolder, in Keeken und auf der Bislicher Insel bei Xanten zogen jeweils einen Jungvogel groß. Die erfolgreiche Brut auf der Bislicher Insel war die erste erfolgreiche Storchbrut im Gebiet des heutigen Kreises Wesel seit 80 Jahren!
In 2003 gab es vier erfolgreiche Storchbruten mit insgesamt 8 Jungvogeln am Niederrhein: Keeken mit einem Jungvogel, Ooypolder und Pannerden mit jeweils zwei und Bislicher Insel mit 3 Jungvögeln. An den übrigen Standorten fand keine Brut statt.
Im Jahre 2004 wurden sechs Storchbruten festgestellt, von denen vier erfolgreich waren: Keeken mit 3 sowie Zyfflich, Bislicher Insel und Pannerden mit jeweils 2 Jungvögeln, also insgesamt 9 Jungvögel.
In 2005 wurden ebenfalls sechs brütende Weißstorchpaare festgestellt, von denen wiederum vier erfolgreich waren: Keeken und Bislicher Insel mit jeweils drei und Ooypolder und Kekerdom mit jeweils zwei Jungvögeln, so dass in 2005 am Niederrhein insgesamt 10 Jungvögel ausflogen. Damit hat sich der Bruterfolg der Niederrheinischen Störche von 1,5 Jungvögel/erfolgreiches Brutpaar in 2001 auf 2,5 Jungvögel/erfolgreiches Brutpaar in 2005 erhöht. Bezogen auf die Gesamtzahl der Brutpaare hat sich das Brutergebnis von 0,75 Jungvögel/Brutpaar auf 1,66 Jungvögel/Brutpaar in 2005 erhöht.

Gründe für die Zunahme

Die nahezu europaweite Erholung der Weißstorchbestände hat wahrscheinlich mehrere Gründe. Eine längere Dürreperiode in der Sahelzone ging in den 1980er Jahren zu Ende, wodurch die Mortalität während des Zuges und im Wintergebiet zurück ging. Darüber hinaus verbesserten sich seit den 1980er Jahren regional die Lebensbedingungen für brütende Weißstörche aufgrund regionaler Änderungen der Landnutzung infolge von Nutzungsextensivierung sowie Wiedervernässung im Rahmen von Schutzprogrammen für Grünlandvogelarten, Naturentwicklung und Storchschutz. Hinzu kamen Zuwanderung aus den noch gut besetzten östlichen Brutgebieten und Bestandsstützung durch Zucht- und Auswilderungsprogramme. In großen Teilen Westdeutschlands ist die Nahrungsgrundlage für Störche aufgrund ungenügender Lebensraumeignung jedoch immer noch knapp. Daher ist die Nachwuchsrate vielerorts zu gering um die dortigen Populationen zu erhalten und sind die Bestände nach wie vor noch auf Zuwanderung angewiesen. Diese Tatsache zeigt, dass die Naturschutzbemühungen mit Nutzungsextensivierung, Wiedervernässung und Naturentwicklung zwar der richtige Weg, wir aber noch lange nicht am Ziel sind!


Geschichte der Storchansiedlung auf der Bislicher Insel

Seit 1994 wurden regelmäßig Weißstörche auf der Bislicher Insel bei Xanten beobachtet, die aufgrund des dortigen Naturschutzmanagements zunehmend bessere Lebensbedingungen vorfanden. Anzahl und Aufenthaltsdauer dieser Sommerstörche war von Jahr zu Jahr unterschiedlich, aber in Jahren mit späten und länger andauernden Hochwasserwellen war sie bedeutend länger als in trockneren Jahren. Obwohl immer wieder einzelne Weißstörche auf Hausdächern am Rande der umliegenden Ortschaften nächtigten, schliefen die meisten Vögel im Baumbestand des Naturschutzgebietes.

Vom 27. April bis zum 4. Mai 1994 wurden 3 Weißstörche auf der Bislicher Insel beobachtet, ab dann bis zum 30. Juni nur noch zwei.

Im Jahre 1995 hielten sich vom 6. bis zum 12. April zwei Störche im Naturschutzgebiet auf. Sie suchten Nahrung auf feuchten Grünlandflächen im Süden und Westen des Gebietes und hatten einen festen Schlafplatz im Gehölzbestand entlang der Göt, der Ausstromrinne des Xantener Altrheines.

Vom 4. bis 7. April 1996 wurde ein recht schmuddeliger Weißstorch auf der Bislicher Insel gesichtet.

Im Jahre 1997 wurde am 31. März ein Storch auf den feuchten Grünlandflächen im Mündungsbereich des Xantener Altrheins beobachtet, wo der Vogel auch im Baumbestand entlang der Göt nächtigte. Der Vogel hielt sich in den nachfolgenden Tagen an verschiedenen Stellen der Bislicher Insel auf und zog am 9. April ab.

Vom 2. bis zum 7. April 1998 gab es tägliche Beobachtungen eines Weißstorches im zentralen Teil der Bislicher Insel. Der Vogel schlief in einem ruhigen Teil der Kormoran-Kolonie.

In der ersten Mai-Woche 1999 landete ein Weißstorch auf der Bislicher Insel, der in den nachfolgenden Tagen im Naturschutzgebiet Nahrung suchte, aber auf einem Hausdach in Xanten-Beek die Nacht verbrachte. Am 11. Mai traf ein Storchpaar ein, das ausschließlich im natürlichen Baumbestand entlang der Göt nächtigte. Nach wenigen Tagen schloß sich der Einzelstorch dem Paar an. Ab dann wurde das Trio regelmäßig beobachtet, bis es sich am 22 Juli gemeinsam hoch schraubte und in südwestlicher Richtung absegelte. In diesem Jahr baute ein Rabenkrähenpaar ihr Nest auf einem ca. 15 m hohen Stumpf einer während eines Sturms im Spätherbst 1998 abgebrochenen Pappel. Der Pappelrest stand mitten in einer absterbenden Pappelplantage und war umgeben von schräg stehenden und bereits umgefallenen Bäumen.

Im Jahre 2000 traf Anfang April ein Weißstorch auf der Bislicher Insel ein und hielt sich dort etwa drei Wochen auf. Als Schlafstätte wählte der Vögel einige Male ein gebietsnahes Hausdach, nächtigte aber mehrheitlich im Baumbestand der Göt. Der letztjährige Rabenkrähenhorst auf der abgebrochenen Pappel wurde von einem Mäusebussardpaar ausgebaut, das dort anschließend drei Jungen großzog.

In den ersten Wochen des April 2001 wurden drei Weißstörche auf den vom Hochwasser flach überschwemmten Grünlandflächen in der Nähe der Ortschaft Xanten-Beek beobachtet, die um den 20. April Gesellschaft von 8 weiteren Vögeln bekamen. Die gesamte Gruppe nächtigte im Baumbestand der Göt. Am nächsten Morgen zogen zwei Störche weiter, während zwei Vögel den vorjährigen Mäussebussardhorst besetzten und begannen das Nest auszubauen. Ab dem 24. April meldete ein weiteres Paar Ansprüche auf den Horst an und in den folgenden vier Wochen gab es regelmäßig Kämpfe zwischen beiden Paaren, aber die Erstbesitzer behielten die Überhand. Beim Horstpaar wurden seit dem 23. April regelmäßig Paarungen beobachtet und ab dem 05. Mai saß vier Tage lang durchgängig ein Vogel in Bruthaltung auf dem Nest, während der Partner auf dem Horstrand Wache hielt und die regelmäßigen Angriffe weiterer Störche abwehrte. Danach verließen beide Brutvögel immer wieder kurzfristig ihren Horst, um schnell wieder zurück zu kehren, sobald andere Störche im Anflug waren. Am 22. Mai war der Horst ohne erkennbaren Grund verlassen und kein Storch kümmerte sich weiter um den vorher so stark umkämpften Brutplatz. Bis zum 30. Mai hielten sich noch zwei Storchpaare und zwei unverpaarte Vögel im Gebiet auf, ab dann wurden bis zum 9. Juni nur noch zwei Vögel beobachtet, wahrscheinlich das ehemalige Horstpaar. Bis Anfang September gab es hin und wieder Einzelbeobachtungen von Weißstörchen, die sich jeweils für nur wenige Tage auf der Bislicher Insel aufhielten.

In der ersten Märzwoche 2002 wurden auf der Bislicher Insel zwei Storchpaare beobachtet, die auf den vom Hochwasser flach überschwemmten Grünlandflächen Nahrung suchten. Ab dem 19. März beflog ein Paar den letztjährigen Storchhorst und begann diesen aus- und aufzubauen. Beobachtungen zeigten, dass es sich hierbei wahrscheinlich um dasselbe Storchpaar handelte wie im Vorjahr. Das beringte Männchen wurde am 2. Juli 1984, also vor 18 Jahren(!) auf der Storchenfarm "Het Liesveld" bei Nieuwpoort in den Niederlanden, als noch nicht flugfähiger Jungvogel, beringt. Das Weibchen war unberingt und schätzungsweise 3-5 Jahre alt. Bis in die letzte Märzwoche hielt sich das zweite Paar zwar in der Nähe auf, versuchte jedoch nicht den Horst anzufliegen. Seit dem 25. März wurden regelmäßig Paarungen auf dem Horst beobachtet und ab dem 4. April saß ständig einer der Störche in Bruthaltung auf dem Nest. Etwa einen Monat später, am 11. Mai, kündigte sich der erste Storchnachwuchs im heutigen Kreis Wesel seit 80 Jahren an: der Elternvogel auf dem Nest fütterte hinter dem hohen Horstrand noch unsichtbare Junge! Wenige Tage später zeigte sich gelegentlich ein weißes Köpfchen über dem Nestrand. Als sich während der Fütterung auch nach anderthalb Wochen nie mehr als nur ein Jungvogel zeigte, bestand Sicherheit, dass das Storchenpaar der Bislicher Insel nur ein Einzelkind aufzog. Zu dieser Zeit hielten sich während einer Woche noch sechs weitere Störche im Gebiet auf, ohne das es zu Auseinandersetzungen irgendeiner Art kam. In der zweiten Julihälfte machte der Jungstorch regelmäßig Flugübungen auf dem Nest und am 25. Juli wurde erstmalig ein größerer Rundflug beobachtet. In den folgenden Tagen drosselten die Altvögel deutlich die Frequenz der Fütterungen und der Jungvogel flog mehrmals größere und kleinere Kreise in der Umgebung des Horstes, kehrte aber immer wieder zum Horst zurück. Am 28. Juli flog das Storchenjunge, nachdem es 79 Tage lang von seinen Eltern gefüttert worden war, vom Nest und verlies den Xantener Raum. Die beiden Altvögel blieben noch bis in die 2. Augustwoche.

Am 05. März 2003 wurde der erste Weißstorch des Jahres 2003 auf der Bislicher beobachtet. Es war ein unberingter Vogel, der ab dem 9. März den vorjährigen Storchenhorst besetzte und mit dem weiteren Ausbau anfing. Am 23. März erschien auch der letztjährige (beringte) Vaterstorch und flog am 26. März den Horst des Vorjahres an. Aufgrund der kurzen Begrüßung und des selbstverständlichen Umgangs der Partner miteinander muss davon ausgegangen werden, dass es sich bei dem Paar um die gleichen Vögel wie im Vorjahr handelte. Am 27. und 28. März wurden einige von kurzem Geklapper begleitete Paarungen beobachtet und ab dem 29. März wurde das Weibchen in Bruthaltung gesehen. Ab dem 28. April wurde erstmalig Futterverhalten beobachten, wobei sich kurz der Kopf eines Jungvogels über dem Nestrand zeigte. Dies würde auf eine Brutdauer von 31 Tagen hinweisen, was unter Berücksichtigung der in der Literatur angegebenen Brutdauer von 33-34 Tagen kurz ist. Am 13. Mai wurden bei der Fütterung zwei Jungen beobachtet und ab dem 17. Mai wurden regelmäßig 3 Jungvögel beobachtet.
Ab dem 20. Mai wurden die Jungstörche regelmäßig von beiden Eltern verlassen und waren tagsüber häufig alleine auf dem Horst. Aufgrund dieser Daten und Literaturangaben muss davon ausgegangen werden, dass die Eier zwischen dem 29. März und dem 9. April gelegt wurden und die Jungvögel zwischen dem 28. April und 10. Mai schlüpften. Ab dem 30. Juni wurden erstmalig ernsthafte Flugübungen wahrgenommen, wobei die Jungstörche sich kurzfristig vom Horst lösten und am 8. Juli wurde zum ersten Mal beobachtet, dass einer der Jungstörche einen kleinen Kreis flog. Am späteren Morgen des 15. Juli, also schätzungsweise 67-79 Tage nach dem Schlüpfen, flogen alle Jungvogel vom Horst und verließen am späteren Nachmittag in süd-westlicher Richtung die Bislicher Insel.
In der Literatur ist beschrieben, dass Jungstörche vom Schlüpfen bis zum Flüggewerden 58-64 Tage brauchen und anschließend nach 7-20 Tagen selbständig werden, also 65-84 Tage nach dem Schlüpfen. Verglichen mit diesen Literaturdaten haben die Jungstörche der Bislicher Insel eine relativ lange Zeit auf dem Nest verbracht, sind jedoch in einem durchaus üblichen Zeitrahmen selbständig geworden. Ein ähnliches Verhalten wurde bei dem Jungstorch des Jahres 2002 beobachtet.

Im Jahr 2004 wurde der erste Weißstorch am 27. Februar 2004 auf der Bislicher Insel beobachtet. Der Vogel flog ab dem 3. März regelmäßig den Vorjahres-Horst an. Am 16. März erschien auch der Partner und das Paar fing schon am nächsten Tag an, den Horst auszubauen. Am 25. März wurde erstmalig eine kurze Paarung beobachtet und ab dem 1. April war das Nest ständig von einem Storch in Bruthaltung besetzt. Um den 1. Mai schlüpften die Jungen und am 24. Mai wurden dann deutlich zwei Junge gesichtet. Am 27. Mai wurde bei der Fütterung erstmalig ein dritter Jungvogel beobachtet. Von dieser Zeit an wurden die Jungstörche zeitweilig allein gelassen und beide Eltern waren manchmal gleichzeitig auf Futtersuche. Ab dem 7. Juni wurden die Jungvögel tagsüber weitgehend allein gelassen und die Eltern kamen nur zur Fütterung zum Nest. Am 15. Juni wurden nur noch 2 Jungstörche beobachtet, während die Bodenvegetation unter dem Horst an mehreren Stellen umgeknickt war und an einer Stelle weiße Federn gefunden wurden. Wahrscheinlich war ein Jungvogel aus dem Nest gefallen und bei den Versuchen, sich über die hohe Vegetation aus zirka 1 bis 1,5 Meter hohen Brennnesseln fortzubewegen, von einem Prädator - nach den Spuren zu urteilen von einem Fuchs - gefangen und weggeschleppt worden. Die zwei verbliebenen Jungstörche machten ab dem 29. Juni regelmäßig Flugübungen und flogen ab dem 8. Juli immer wieder kleinere Runden, wobei sie sowohl auf dem Horst als auch auf einigen Bäumen in der Umgebung des Horstes landeten. Ab dem 16. Juli machten sie auch größere Ausflüge, kamen jedoch immer wieder zum Nest zurück. Ab dem 19. Juli hielten sich die Jungen nur noch nachts auf dem Horst auf, während sie tagsüber häufiger mit den Eltern auf den umliegenden Grünlandflächen gesehen wurden. Am 24. Juli wurde der Horst definitiv verlassen und auch nicht mehr als Schlafplatz genutzt. Noch bis zum 13. August wurden die Brutstörche und ihr Nachwuchs regelmäßig auf der Bislicher Insel beobachtet.
Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Störche im Jahr 2004 eine Brutzeit von 28-32 Tagen hatten und die Jungvögel vom Schlüpfen bis zum Flüggewerden 54-57 Tage brauchten. Nachdem sie ausgeflogen waren verblieben die Jungstörche noch ca. 20 Tage im Brutgebiet. Die Jungvögel wurden in 2004 frühestens 74-77 Tage nach dem Schlüpfen selbständig.
Den ganzen Winter 2004/05 über wurden regelmäßig 3 Weißstörche auf der Bislicher Insel beobachtet. Zwei der Vögel waren wahrscheinlich das Brutpaar des Jahres 2004 und nutzten regelmäßig den Bruthorst als Schlafstätte.

Ab Mitte März 2005 hielt sich ständig ein Storch auf dem Vorjahres-Horst auf und es waren regelmäßig Ausbau- und Reparatur-Aktivitäten am Horst zu beobachten. Am 25. März wurde erstmalig eine kurze Paarung beobachtet und ab dem 2. April war das Nest ständig von einem Storch in Bruthaltung besetzt. Zwischen den 3. und 9. Mai schlüpften die Jungen und am 17. Mai wurden mit Sicherheit zwei und am 1. Juni bei der Fütterung erstmalig 3 Jungvögel beobachtet. Ab den 9. Juni wurden die Jungen zeitweilig allein gelassen; beide Eltern waren häufiger gleichzeitig auf Futtersuche. Ab dem 15. Juni wurden die Jungvögel tagsüber weitgehend allein gelassen und die Eltern kamen nur zur Fütterung zum Nest. Ab dem 10. Juli machten die Jungstörche regelmäßig Flugübungen und flogen ab dem 14. Juli regelmäßig kleinere Runden, wobei sie sowohl auf dem Horst als auch auf Bäumen in der Umgebung des Horstes landeten. Ab dem 18. Juli machten sie auch größere Ausflüge, kamen jedoch immer wieder zum Nest zurück. Ab dem 20. Juli hielten sich die Jungen nur noch nachts auf dem Horst auf, während sie tagsüber häufiger mit den Eltern auf den umliegenden Grünlandflächen gesehen wurden. Am 29. Juli wurde der Horst definitiv verlassen und auch nicht mehr als Schlafplatz genutzt. Noch bis zum 30. August wurden die Brutstörche und ihr Nachwuchs regelmäßig auf der Bislicher Insel beobachtet.
Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Störche im Jahr 2005 eine Brutzeit von 30-37 Tagen hatten und die Jungvögel vom Schlüpfen bis zum Flüggewerden 70-76 Tage brauchten. Nachdem sie ausgeflogen waren verblieben die Jungstörche noch mehr als 30 Tage im Brutgebiet. Die Jungvögel wurden in 2005 frühestens 81-87 Tage nach dem Schlüpfen selbständig.
Auch nach der Brutzeit 2005 blieben 3 Weißstörche auf der Bislicher Insel und überwinterten dort. Es handelt sich bei diesen Vögeln wahrscheinlich um das Brutpaar und einen weiteren Storch.

Nachdem Mitte Januar 2006 eine längere Kälteperiode mit Schnee und Eis einsetzte, wurden im Kreis Wesel bis Mitte März keine Störche mehr beobachtet. Am 15. März wurde auf der Bislicher Insel einen Weißstorch beobachtet und wenige Tagen später rasteten drei Störche auf der gegenüberliegende Rheinseite bei Bislich. Ab dem 20. März flog ein Storch den vorjährigen Horst an und begann mit Reparaturarbeiten, wobei er ab dem 23. März Verstärkung von einem zweiten Storch bekam. Von da an war immer ein Storch auf dem Horst zu anzutreffen. Am 1. April wurde erstmalig ein Storch in Bruthaltung auf dem Horst beobachtet und etwa ab dem 1. Mai kündigte sich Nachwuchs an. Bei einer Fütterung am 16. Mai zeigten erstmalig zwei Jungstörche ihre Köpfe. Vom Verhalten der Altvögel ließ sich aber ableiten, dass zumindest ein weiterer Jungvogel im Nest sein musste. Die offene Frage, wie viele Jungvögel im Nest waren, klärte sich dann unverhofft schnell, nämlich am stürmischen Wochenende vom 21. und 22. Mai. Da wurde die Last des mittlerweile ca. 50 cm hohen Horstes zu viel für den geschwächten Pappelstamm, der auf einer Höhe von ca. 7 m abknickte. Der Horst mit seinem kostbaren Inhalt stürzte ca. 15 m herunter und alle vier Jungen starben am Boden.

Damit die Altstörche im nächsten Jahr wieder eine Brutmöglichkeit finden, planen die Biologische Station im Kreis Wesel und der Regionalverband Ruhr noch in diesem Sommer an gleicher Stelle eine künstliche Nistbaum aufzustellen.

Bewertende Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die nordwest-europäischen Bestände seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Folge negativer Entwicklungen in ihrem Lebensraum drastisch zurückgegangen sind. Die Trockenlegung und Nutzungsintensivierung im europäischen Brutgebiet sowie Lebensraum- und Klimaveränderungen im afrikanischen Wintergebiet zerstörten zunehmend ihre Lebensgrundlage. Als Folge verbesserter Klimabedingungen in Afrika sowie gezielter Biotopverbesserungen und Wiedereinbürgerungen im europäischen Brutgebiet setzte seit den 1980er Jahren eine Erholung der Bestände ein.

Auch am Niederrhein wurden ehemalige Feuchtgebietsflächen optimiert, wie z.B. im Bereich der Gelderse Poort zwischen Kleve und Nimwegen, am Altrhein Bienen-Praest und auf der Bislicher Insel.

Vor Anfang der Naturschutzmaßnahmen, also vor 1990, war die Bislicher Insel eine naturferne Kulturlandschaft, die im wesentlichen zwischen den 1930er und 1960er Jahren geschaffen wurde. In dieser Periode entstand durch Abgrabungen im Südwesten des Gebietes eine Seenlandschaft, wurden feuchte Senken entwässert, mehrere Häuser gebaut, zwei große Campingplätze angelegt, Hunderte von Pappeln angepflanzt und die landwirtschaftliche Nutzung erheblich intensiviert. Allesamt Maßnahmen die das Gebiet für empfindlichere Arten ungeeignet machten und fast alle schützenswerten Arten zeigten rückläufige Bestände. Alleine seit den 1970er Jahren verschwanden fast 20 Arten.

Um die alte Kulturlandschaft der Bislicher Insel mit ihrer ursprünglichen Artenvielfalt zu erhalten bzw. wiederherzustellen und mittels gezielter Maßnahmen seltene natürliche bzw. naturnahe Habitattypen mit ihrem großen Artenreichtum, die aufgrund menschlicher Landschaftsnutzung in den letzten Jahrhunderten bei uns weitgehend verschwunden sind, wieder entstehen zu lassen, wurde für das Gebiet seit der zweiten Hälfte der 1980er Jahre ein vielfältiges Pflege- und Entwicklungskonzept entwickelt. Der Entwicklung des Managementplanes sind viele Jahre der Forschung und der Diskussion zwischen den Beteiligten voraus gegangen, bis eine gemeinsam getragene Planung verabschiedet werden konnte. Bei der schrittweisen Verwirklichung des Konzeptes arbeiten zuständige Behörden, "Naturschützer" und "Naturnutzer" vertrauensvoll zusammen.

Mit Hilfe der Naturschutzmaßnahmen wurde die rückläufige Tendenz vieler Brutvogelarten (z.B. Kiebitz, Feldlerche, Wiesenpieper, Schafstelze, Grauammer) gestoppt, möglicherweise sogar umgedreht, während sich einige weitere Arten, die hier seit fast einem Jahrzehnt verschwunden waren, neuerdings wieder regelmäßig im Gebiet aufhalten und möglicherweise demnächst wieder brüten werden. Insgesamt siedelten sich seit Beginn der Naturschutzmaßnahmen 20 neue Arten auf der Bislicher Insel an. Die Ansiedlung des seit 80 Jahren als Brutvogel im Kreis Wesel verschwundenen Weißstorchs bildete den eindeutigen Höhepunkt des Jahres 2002. Da die Entwicklung der Bislicher Insel zu einer naturnahen Auenlandschaft erst am Anfang steht, ist dies sicherlich nicht die letzte Art, die sich hier neu- bzw. wiederansiedelt!