Bestandssituation
DieZwerggans (Anser erythropus)ist eine ausschließlich paläarktische Art, die ursprünglich in den eurasischen Tundren von Skandinavien bis Ostasien brütete.
Seit der ersten Bestandsschätzung in den 1950er Jahren hat der Bestand stetig abgenommen. Ging man damals noch von ca. 100.000 Individuen aus (Uspenski 1965), so wird der gegenwärtige Bestand auf 15.000 - 30.000 Vögel geschätzt. In der westlichen Paläarktis wurden in den 1930er Jahren noch regelmäßig Schwärme von ca. 50.000 Zwerggänsen beobachtet (Ringleben 1957) und noch in den 1950er Jahren wurde der Gesamtbestand auf mehr als 50.000 Vögel geschätzt, aber in den 1990er Jahren lagen die bei den Mittwinterzählungen ermittelten Zwergganszahlen durchgängig unter 10.000.
Der skandinavische Brutbestand besteht gegenwärtig aus weniger als fünfzig Brutpaaren (Aarvak et al. 1996 & 1997, Fox & Madsen 1999, Lorentsen et al. 1999, Rose & Scott 1997, Scott & Rose 1996, Tolvanen et al. 1998). Hierbei ist zu berücksichtigen, daß Zwerggänse häufig mit Bläßgänsen vergesellschaftet sind und deshalb - aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit Bläßgänsen - kleinere Zwerggansgruppen in größeren Bläßgansschwärmen leicht übersehen werden, so daß die tatsächliche Zahl der im Westen Europas überwinternden Zwerggänse höher liegen kann.
Es ist jedoch unbestritten, daß der Zwerggansbestand in den letzten Jahrzehnten stark rückläufig ist und im ursprünglichen Brutareal brütende Zwerggänse nur noch an wenigen Stellen gefunden werden (Aarvak et al. 1996 & 1997, Kalyakin 1996, Lorentsen et al. 1999, Morozov 1996, Morozov & Kalyakin 1997, Syroechkovski Jr. 1996, Tolvanen et al. 1998). In Gebieten, wo Zwerggänse vergesellschaftet mit Bläßgänsen durchziehen und Bläßgänse bejagt werden dürfen, zeigte sich, daß der Anteil der lebensraumweit geschonten Zwerggänse in der Gänsestrecke nahezu genau ihrem Anteil in den bejagten Gänseschwärmen entsprach, was darauf schließen läßt, daß die Zwerggans in solchen Gebieten einem vergleichbar hohen Jagddruck ausgesetzt ist wie die wesentlich häufigere Bläßgans (Lorentsen et al. 1998 & 1999, Tolvanen et al. 1998).
Schutzstatus
Die Zwerggans steht im Anhang 1 des AEWA unter der Bonner Konvention, in Anhang II der Berner Konvention und im Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie.
Der rückläufige Zwerggansbestand bildet die kleinste Gänsepopulation Eurasiens und gehört zu den am meisten vom Aussterben bedrohten Vogelarten der Welt. Aufgrund ihrer großen Ähnlichkeit mit der Bläßgans, der am stärksten bejagten Gänseart Eurasiens, mit der sie häufig vergesellschaftet auftritt, gehört die Jagd zu den häufigsten Mortalitätsursachen der Zwerggans, obwohl die Art offiziell nahezu überall ganzjährig geschützt ist.
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