Vorgeschichte und Projektplanung
Im Jahre 1979 startete der schwedische Jagdverband ein Projekt zur Unterstützung des skandinavischen Zwerggansbestandes. Das Projekt wird seit 1981 vom schwedischen WWF unterstützt.
Im Rahmen dieses Projektes wurden Zwergganseier von halbzahmen Weißwangengänsen (Branta leucopsis), die in den Niederlanden überwintern, erbrütet. Kurz vor dem Flüggewerden wurden die Weißwangengänse und ihre (beringten) Pflegekinder im ursprünglichen Zwergganshabitat in schwedischem Lappland freigelassen. Im Herbst fliegen die Vögel gemeinsam von dort zu den Winterplätzen der Weißwangengänse in den Niederlanden.
Seit Beginn des Projektes wurden auf diese Weise rund 280 Zwerggänse ausgesetzt. Als Ergebnis des Projektes wurde 1987 in Schweden ein erstes Brutpaar (nur das Weibchen war ein beringter Projektvogel) festgestellt (Von Essen 1991). Im Jahre 1996 wurde die gesamte schwedische Brutpopulation, die auf dieses Projekt zurückgeführt werden kann, auf 5 Brutpaare und ca. 35 Individuen geschätzt (Lorentzen et al. 1999). Mit diesem Experiment bewies von Essen, daß Junggänse in das Gebiet zurückkehren, in dem sie flügge geworden sind, und dass sie ihre Zugroute von ihren Eltern erlernen, wie von Fabritius (1983) angenommen.
In 1989 startete der finnische WWF ebenfalls ein Wiederansiedlungsprojekt für Zwerggänse, wobei in Gefangenschaft erbrütete Jungvögel im verbliebenen finnischen Zwerggans-Brutgebiet ausgesetzt wurden. Bis 1996 wurden insgesamt ca. 140 Vögel ausgesetzt. Es wurde festgestellt, dss die Vögel weitgehend der traditionellen Zugroute folgten, wobei die Mortalität extrem hoch war und bei 70-80% lag. Nur rund 10% der ausgesetzten Vögel kam ins Brutgebiet zurück und bis 1996 konnte keine Brut festgestellt werden (Lorentzen et al. 1999).
Insgesamt wurden in beiden Projekten bis 1996 rund 420 Vögel ausgesetzt, mit dem Ergebnis, dass in den beiden Projektgebieten gegenwärtig insgesamt 5 Zwergganspaare brüten, bei einer Gesamtpopulation von ca. 50 Individuen. Die Ergebnisse des schwedischen Projektes, wo die Vögel vornehmlich nach Westeuropa fliegen, scheinen bisher leicht besser zu sein als die des finnischen Projektes, wo die ausgesetzten Vögel ohne (Pflege)Eltern in die traditionellen Wintergebiete Osteuropas fliegen.
In den Jahren 1993 und 1994 flog der "Ultralight-begeisterte" kanadische Amateur-Ornithologe William (Bill) Lishman erstmalig im Herbst Junggansschwärme von ihrem kanadischen Brutgebiet zu einem von ihm ausgewählten geeigneten Wintergebiet in den USA. Im anschließenden Frühjahr flogen die meisten Vögel selbständig in ihr Herkunftsgebiet zurück (Lishman 1995). Mit seinem Experiment bewies Bill Lishman, dass es möglich ist, Junggänsen ihren Wanderweg mit Hilfe eines Ultralight-Flugzeuges beizubringen. In den darauf folgenden Jahren wurden in Nordamerika mit Hilfe dieser Methode neue Populationen des vom Aussterben bedrohten Schreikranichs (Grus americana) und des Trompeter Schwans (Cygnus buccinator) erfolgreich angesiedelt.
Angesichts des auch weiterhin weltweit rückläufigen Trends der Zwerggansbestände, der kritischen Situation des europäischen Zwerggansbestandes, der begrenzten Erfolge der bisherigen Wiederansiedlungsprojekte sowie des erfolgreichen Verlaufs der nordamerikanischen Ultralight-Wiederansiedlungsprojekte schien es erfolgversprechend, diese amerikanische Methode auch anzuwenden um das europäische Vorkommen der Zwerggans vor dem Erlöschen zu bewahren.
Aufgrund solcher Überlegungen trafen verschiedene Personen in mehreren europäischen Ländern unabhängig voneinander Vorbereitungen, um ein Ultralight-Projekt für die Zwerggans in Europa zu starten, aber Finanzierungsschwierigkeiten verzögerten den Projektbeginn. Im Jahre 1997 führte das französische Ehepaar Christian und Paola Moullec ein erfolgreiches Experiment durch, bei dem zwölf junge Weißwangengänse (Branta leucopsis) mit Hilfe eines Ultralight-Flugzeuges über eine Entfernung von ca. 650 km quer durch Frankreich geführt wurden. Das Ziel dieses Fluges war es, einen geplanten Flug mit den von Aussterben bedrohten Zwerggänsen mit einer häufigeren Gänseart zu üben. Im Jahre 1998 suchte das Ehepaar Moullec den Kontakt mit Dr. Lambart von Essen, der Leiter des schwedischen Zwerggans-Projektes. Damit war nicht nur die Projekt-Idee geboren, sondern auch die technischen Voraussetzungen geschaffen. Was fehlte war ein Sponsor.
Bestandssituation und Schutzstatus
Projektdurchführung
Literaturliste