Als sich im Sommer 1999 eine französische Filmproduktionsgesellschaft bereit erklärte, im Jahre 1999 als Sponsor aufzutreten, kam das Projekt in eine Stromschnelle und von den Beteiligten wurde entschieden, trotz der extrem kurzen Vorbereitungszeit das Vorhaben im Spätsommer/Herbst 1999 durchzuführen.
Die für das Projekt benötigten Zwerggänse wurden von einem französischen Team unter der Leitung von Christian und Paola Moullec künstlich ausgebrütet, aufgezogen, auf ein Ultralight-Flugzeug trainiert und von Öster-Malma in Mittel-Schweden zur Bislicher Insel am Unteren Niederrhein geflogen.
Das Projekt wurde fachlich und technisch begleitet von Dr. Lambart von Essen vom schwedischen Zwerggans-Projekt, Dr. Wolfgang Scholze vom Deutschen Aero Club (DAeC) und Dr. Johan Mooij von der Biologischen Station im Kreis Wesel.
Da Dr. von Essen vermeiden wollte, dass die Zwerggänse vom Ultralight-Projekt sich mit den Vögeln seines Projektes vermischen, wurde beschlossen, die Ultralight-Zwerggänse von Öster-Malma in Mittel-Schweden statt von Lappland abfliegen zu lassen. Damit die Zugwege und das Wintergebiet der Vögel weitgehend in Gebieten liegen würden, wo die Bläßgans nicht bejagt werden darf (Verwechselung von Zwerg- und Bläßgans bei der Jagd ist eine wichtige Mortalitätsursache für die Zwerggans), wurde beschlossen, die Junggänse von Schweden über Fehmarn und Niedersachsen zu der Bislicher Insel bei Xanten, einem Kerngebiet des Ramsar-Gebietes und EU-Vogelschutzgebiet "Unterer Niederrhein", in Nordrhein-Westfalen zu führen.
Ende August 1999 verließ das Team um Christian und Paola Moullec Mittelschweden mit drei Ultralight-Flugzeugen und 31 Zwerggänsen. Auf einem der Ultralights flog neben dem Pilot ein Kameramann mit, während die zwei übrigen Fluggeräte nur einem Piloten Platz boten und als "Leitgänse" für jeweils eine Zwerggansgruppe dienten. Aufgrund technischer Schwierigkeiten (Motorschaden) fielen unterwegs beide "Leitgänse" noch in Südschweden aus. Damit die Gänsewanderung fortgesetzt werden konnte, mussten die Zwerggänse auf das verbliebene Ultralight umgeprägt werden. Dies gelang nur dadurch, dass die "Gänsemutter", Paola Moullec, für die restliche Reise an Stelle des Kameramannes vorne auf dem verbliebenen Zwei-Personen-Ultralight Platz nahm. Als Folge dieser Schwierigkeiten blieben vier Zwerggänse in einem südschwedischen Reservat zurück und Mitte September überquerte eine reduzierte Flugformation, bestehend aus einem Ultralight-Flugzeug und 27 Zwerggänsen, die Ostsee und landete am Abend auf der Insel Fehmarn. Schlechtes Wetter verhinderte in den folgenden zwei Wochen eine zügige Fortsetzung der Wanderung, so dass der Gänseschwarm nach Zwischenstops an der Elbe- und Weser-Mündung erst am 5. Oktober Richtung Niederrhein weiterfliegen konnte.
Am frühen Nachmittag des 7. Oktober 1999 landeten dann, nach einem abenteuerlichen etwa sechswöchigen Flug von ca. 2.000 km, 27 Zwerggänse und ein müdes Ultralight-Team auf der Bislicher Insel bei Xanten.
Nach Ankunft der Vögel wurde das Ultralight-Flugzeug demontiert und die Zwerggänse mussten behutsam aus der menschlichen Obhut entlassen und ausgewildert werden, damit sie auf der Bislicher Insel gemeinsam mit 25.000-30.000 Bläßgänsen überwintern und im Frühjahr selbständig in das Herkunftsgebiet in Schweden zurückfliegen können.
Hierzu wurde der Kontakt zwischen den menschlichen Begleitern und den Vögeln von Tag zu Tag reduziert. Seit dem 23. Oktober bestand der einzige Kontakt zwischen Mensch und Zwerggans aus einer auf ihrer Schlafwiese aufgestellten Puppe, die "James" getauft wurde. Bis zum 2. November hielten die Gänse sich ausschließlich in der Nähe der Puppe auf. Danach unternahmen sie regelmäßig Erkundungsflüge, wobei sie sich Bläßgansgruppen anschlossen und gemeinsam mit ihren größeren Verwandten auf den umliegenden Grünlandflächen Nahrung suchten. In der Nacht sind sie jedoch noch häufig in der Nähe von "James" zu finden.
Im Frühjahr 2000 wurden über 40% der ausgewilderten und mit roten Beinringen markierten Vögel in Mittelschweden beobachtet; 13 Vögel wurden am Abflugsort Öster Malma beobachtet und wieder eingefangen, eine Zwerggans wurde geschwächt in Bremervoerde eingefangen, eine wurde in den Niederlanden gesichtet und einige wurden vergesellschaftet mit wilden Zwerggänsen weit nördlich von Öster Malma, auf dem Weg zu den Brutgebieten, gesehen.
Von den in Freiheit verbliebenen "Ultraleicht-Zwerggänsen" gab es im Winter 2000/01 6 Meldungen vom Unteren Niederrhein.
Im Winter 2001/2002 wurden keine Projektgänse vom Unteren Niederrhein gemeldet, aber ein markierter Vogel überwinterte mit zwei unmarkierten Zwerggänsen in Villafafila im Nordwesten Spaniens, wo einer von den unmarkierten Vögeln später geschossen wurde.
Aus dem Winter 2002/2003 liegen wieder vier Beobachtungen markierter Projektgänse vor, so dass davon ausgegangen werden muss, dass wahrscheinlich auch im Winter 2001/02 mehrere "Ultraleicht-Zwerggänse" am Unteren Niederrhein überwinterten, ohne dass diese jedoch beobachtet wurden.
Da das Ultraleicht-Zwerggansprojekt eine wesentlich höhere Rückkehr-Quote vorweisen kann als vergleichbare Projekte und auch mehrere Jahre später Projektgänse im westeuropäischen ÜBerwinterungsgebiet beobachtet werden konnten, muss es als gelungen betrachtet werden. Damit wurde bewiesen, dass die Ultraleicht-Methode eine brauchbare Methode ist, um bedrohten Gänsearten, wie der Zwerggans, neue Zugwege beizubringen und so den verbliebenen Bestand zu unterstützen.
Seit dem Jahre 2001 wurde deshalb an einem Nachfolgeprojekt gearbeitet, um mit Hilfe von Ultraleicht-Flugzeugen in Gefangenschaft gezüchtete Zwerggänse einzubürgern, um den Bestand der fennoskandischen Population wieder aufzubauen.
Zu diesem Zweck soll mehrere Jahre hintereinander eine größere Zahl junger Zwerggänse mit Hilfe von Ultraleichtflugzeugen auf eine Westzugroute arktischer Gänse geführt werden. Sie führt aus den Brutgebieten in Lappland über Schweden und Dänemark nach Deutschland an den Niederrhein.
Zur Durchführung des Projektes wurde ein Verein mit den Namen "Aktion Zwerggans" gegründet. Das Projekt soll von dem DAeC technisch und von der BSKW wissenschaftlich begleitet werden. Mit dem Ziel, für das Projekt Zwerggänse in ausreichender Zahl zur Verfügung zu haben, wurde unter Leitung des Zoos Cottbus ein deutscher Brutbestand aus Gefangenschaftsvögeln zusammengestellt. Mit den Betreibern des Schwedischen und Finnischen Zwerggans-Zuchtbestandes sowie mit einer organisierten Züchtergruppe aus Belgien wurde vereinbart, alle Zuchtvögel auf ihre "genetische Reinheit" testen zu lassen und für die Zucht nur zweifelsfrei "genetisch saubere" Zwerggänse einzusetzen.
Mittelfristig sollen die verschiedenen europäischen Zuchtbestände zusammengeschlossen werden.
Im Jahre 2002 stellte die Allianz-Stiftung ca. 500.000 Euro für die Durchführung des Projektes zur Verfügung. Nach längerer Vorbereitungszeit lagen jetzt alle benötigten Genehmigungen vor. In den Jahren 2006 und 2007 sollten im Spätsommer im Rahmen eines Pilotprojektes jeweils junge Zwerggänse von Schwedisch-Lappland zum Niederrhein geflogen werden. Der Verlauf des Gesamtprojektes soll von ARD und ZDF im Rahmen des gemeinsamen TV-Morgenmagazins sowie auf der Homepage beider Sender und mittels eines Fernsehfilms dokumentiert werden (vergleichbar Storchprojekt 2002).
Nachdem es 2006 aufgrund des Auftretens der Vogelgrippe in Deutscland und anderen europäischen Ländern zu einem vorläufigen Projektstopp gekommen war, war Anfang 2007 dann alles für den Erstflug bereit. Dieser muss nun erneut verschoben werden, weil Gegner des Projektes die Ergebnisse einer genetischen Untersuchung, die die Eignung der Zuchttiere für die Ausbürgerung nachweist, nicht anerkennen. Die Aktion Zwerggans e.V., die Allianz Umweltstiftung und alle Partner werden das Projekt weiter fortführen und hoffen, dass bald alle Einwände ausgeräumt sein werden und der Erstflug stattfinden kann.
Bestandssituation und Schutzstatus
Vorgeschichte und Projektplanung
Literaturliste