"Grippe" im weiteren Sinne wird vom Influenza-Virus verursacht. Formen des Influenza-Virus werden mittlerweile in drei Gruppen (A,B und C) eingeteilt. Viren vom Typ A (Influenza-A) finden sich vor allem im Tierreich, spielen aber auch bei menschlichen Erkrankungen eine Rolle; Influenza-B ist in seinem Vorkommen auf den Menschen beschränkt. A- und B- Viren haben das Potential, sehr schwerwiegende Erkrankungen auszulösen, sie können somit je nach Ausprägung hoch pathogen wirken. Daneben gibt es noch die Viren der Gruppe C, die unmerkliche bis geringe Symptome auslösen.
Im Falle der Vogelgrippe entstammt das Virus dem Typ A. Durch ständige Genveränderungen entstehen regelmäßig neue Varianten der Grippeviren, die anhand ihrer Oberflächeneigenschaften in Subtypen eingeteilt und benannt werden.
So zeigt das Influenza-A-Virus Subtypus "H5N1" auf seiner Oberfläche die 5. Variante des Hämagglutinins (H5) und die 1. Variante der Neuraminidase (N1). Gegenwärtig sind 15 H-Subtypen und 9 N-Subtypen bekannt.
In der Vergangenheit verursachten die Subtypen H1N1, H1N2, H2N2, H3N2 und H9N2 bei Menschen, die Subtypen H1N1 und H3N2 bei Schweinen, H3N8 und H7N7 bei Pferden und H5N1, H5N2, H7N1, H7N3 und H7N7 bei Geflügel weiter verbreitete Erkrankungen.
Es gibt zwei Erscheinungsformen der Vogelgrippe. Bei der ersten und häufigsten Form hat die Krankheit einen milden Verlauf und die infizierten Vögel zeigen nur wenige, unspezifische Krankheitssymptome, z.B. Atemwegsprobleme, Fieber, verringerte Legeleistung, Durchfall oder zerzauste Federn und verringerte Aktivität.
Problematischer ist die zweite Form, die sog. "hochpathogene aviäre Influenza" bei der häufig nahezu 100% des erkrankten Geflügels innerhalb kürzester Zeit nach der Infektion stirbt. Fälle dieser hochpathogenen Influenza sind neuerdings nicht nur in Asien aufgefallen und in die Schlagzeilen geraten.
Influenza-A-Viren wurden bisher in vielen Tierarten nachgewiesen, z.B. in Enten, Gänsen, Puten, Schweinen, Walen, Pferden und Seehunden. Die Subtypen befallen normalerweise nur bestimmte Wirtsarten, während weitere Arten als Überträger fungieren können, ohne selber krank zu werden.
Unter gewissen Bedingungen können die Subtypen ihre bisherige Artspezifizität aufgeben und auch bei anderen bisher nicht empfindlichen Arten Krankheitssymptome auslösen. So scheinen Übertragungen zwischen Mensch und Schwein (z.B. H3N2) sowie Mensch und Vogel (z.B. H2N2, H5N1) möglich.
Eine Rolle beim Überschreiten der Artgrenzen spielt offensichtlich der Austausch von Genmaterial zwischen verschiedenen artspezifischen Viren in einem Organismus, der eben doch für mehrere Virenarten empfänglich ist, wie z.B. das Hausschwein - dieses kann als "Mischgefäß" sowohl ursprüngliche Vogel- als auch Menschenviren in seine Zellen aufnehmen.
Aber auch direkte Übergänge, bei denen ein Virus plötzlich die Fähigkeit erlangt, in Zellen einer anderen Wirtsart einzudringen, scheinen möglich und sind wegen der mangelnden "Ausrüstung" des neuen Organismus gegen diese neue Art von Virus besonders gefährlich.
Darüber hinaus haben einige Virentypen während eines Ausbruches ihre Pathogenität (Krankheitswirkung) von einer milden zu einer hochpathogenen Form (z.B. H5N2 und H7N1) geändert.