Der Laubfrosch - Wiederansiedlung eines grünen Hüpfers

Der Laubfrosch (Hyla arborea) war bis in die 1960er Jahre in ganz Nordrhein-Westfalen weit verbreitet. Vor allem tummelte er sich in den Flussauen, die den ursprünglichen Lebensraum für ihn darstellen. Mit der Begradigung der Flüsse wurden seine Lebensräume weitgehend zerstört.

Steckbrief
Der Laubfrosch wird nur bis ca. 6 cm groß, bis zu 9 Gramm schwer und gehört somit zu den kleinsten einheimischen Froschlurchen. In der freien Natur werden die Tiere selten älter als fünf Jahre. Ihre Farbe ist normalerweise grün, jedoch gibt es auch graue und blaue Exemplare.

Nahrung
Kaulquappen filtrieren Bakterien, einzellige Pflanzen, Pantoffeltierchen und Rädertierchen. Ausgewachsene Frösche ernähren sich von Insekten und Spinnen.

Lebensweise und Lebensraum
Als erwachsene Tiere halten sie sich zur Nahrungssuche und zum Sonnen im Blätterwerk von Sträuchern (z. B. Brombeeren), Büschen und Bäumen auf. Hecken stellen in Nordrhein-Westfalen die typischen Sommerlebensräume dar. Für die Vermehrung suchen sie im Frühjahr (Mitte April bis Mitte Juni) voll besonnte, flache, sich schnell erwärmende Gewässer auf. Aber nicht alle Gewässer an denen Laubfrösche rufen, sind auch Laichgewässer. Fischbesatz oder unzureichende Wasserqualität sind für den Laubfroschnachwuchs abträglich. Die Jungfrösche leben zunächst vor allem in blüten- und damit auch insektenreichen Hochstaudenfluren mit großblättrigen Pflanzen, die häufig im Heckensaum zu finden sind. Gegen Herbstende suchen die Laubfrösche frostsichere Überwinterungsquartiere auf.

Fortpflanzung
Ein paarungsbereites Männchen ist nicht zu überhören. Die prächtige Schallblase bläst es bis auf die dreifache Größe seines Kopfumfanges auf und ruft nach Leibeskräften. Es muß seine Schallblase manchmal nächtelang strapazieren, bis ein Weibchen bereit ist, sich mit ihm zu paaren. Das Weibchen setzt im Wasser walnussgroße Laichballen an Wasserpflanzen ab. Kaum sind die 150 bis 300 Eier gelegt, werden sie vom Männchen besamt. Nur wenige Tage später schlüpfen die Kaulquappen, die etwa ab Mitte Juli als fertige kleine Laubfrösche den Wasserlebensraum verlassen.

Wanderverhalten
Laubfrösche gehen gern auf Wanderschaft. Zwischen ihren Teillebensräumen (Winterquartier, Rufgewässer, Laichgewässer, Hecken- und Stauden-Sommerlebensräumen) liegen oft mehrere hundert Meter, manchmal einige Kilometer. Insbesondere Jungfrösche können sich während ihrer weiträumigen Wanderungen neue Lebensräume erschließen, die in der Regel zwei bis drei Kilometer weit entfernt liegen können.

Bestandsgrößen
Erhebliche Bestandsschwankungen sind typisch für den Laubfrosch. In der Regel leben bei uns kleine Kolonien mit bis zu 50 rufenden Männchen. Gewässer mit bis zu 100 Rufern sind selten. Große Rufgemeinschaften mit entsprechend großem Nachwuchs sind aber entscheidend für das langfristige Überdauern einer Population in einem Landschaftsraum.

Verbreitung in Nordrhein-Westfalen
Der Laubfrosch gehört mittlerweile landesweit zu den seltensten Amphibienarten. Die Vorkommen konzentrieren sich vor allem in den Tieflandbereichen des Rheinlandes und Westfalens. Die meisten und größten Populationen finden sich in der Westfälischen Bucht und südlich angrenzenden Bereichen. Bis auf kleine Restpopulationen gibt es heute große "laubfroschfreie" Regionen zwischen den bis zu 30 km voneinander entfernten Verbreitungszentren. Im rheinischen Tiefland gibt es nur noch wenige isolierte Vorkommen.

Gefährdung
Der Laubfrosch steht in Nordrhein-Westfalen auf der Roten Liste. In NRW gibt es nur noch vereinzelt stärkere Populationen, die vor allem durch die Maßnahmen engagierter Naturschützer noch oder wieder vorhanden sind. Die größten Arealverluste waren in der Vergangenheit in den weiten Landschaften am Niederrhein sowie im südwestlichen und zentralen Münsterland zu beklagen.
Bis in die 1960er Jahre boten ihm die bäuerlichen Kulturlandschaften mit einem dichten Netz aus Hecken, feuchtem Grünland und zahlreichen Kleingewässern geeignete Ersatzlebensräume. Etwa Mitte der 1960er Jahre nahmen die Bestände zum Teil drastisch ab.
Heute sieht die Situation gänzlich anders aus. Nur noch an wenigen Stellen konnte sich der Laubfrosch halten. Verschiedene Hilfsprogramme wurden mehr oder weniger erfolgreich in der Vergangenheit durchgeführt. Es wurde auch immer wieder versucht, dem Laubfrosch durch Aussetzen von Tieren zu helfen. Meist waren solche Aussetzungsversuche nicht mit Erfolg gekrönt.
Durch das Mitte der 1980er Jahre gestartete "Feuchtwiesenprogramm" des Landes NRW, profitierte der Laubfrosch erstmals nachhaltig. In einigen Gebieten, so zum Beispiel im benachbarten Kreis Borken, nahmen die Bestände wieder einen positiven Verlauf.
Es gab aber noch viele weiße Flecken in Nordrhein-Westfalen. Ein solcher weißer Bereich war der Untere Niederrhein. Wie aus einer Karte der LÖBF ersichtlich, war der Laubfrosch am Niederrhein in den 1960er Jahren im Raum Wesel recht gut vertreten. Danach galt er als ausgestorben.

Wiederansiedlung
Nun half die Biologische Station Wesel dem Laubfrosch durch eine gezielte Wiederansiedlung auf die Sprünge. Als Aussetzungsgebiet wurde die Dingdener Heide gewählt. Hier hat sich die Landschaft durch gezielte Landkäufe und anschließender Extensivierung so verändert, daß sich die Lebensbedingungen nicht nur für Feuchtwiesenvögel, sondern auch für Amphibien grundlegend verbesserten. Durch die geänderten Eigentumsverhältnisse konnten auch Anstaumaßnahmen durchgeführt werden.
Eine durch Fachleute des NABU-Coesfeld durchgeführte Prüfung der Verhältnisse in der Dingdener Heide ergab eindeutig die Eignung für eine Aussetzung.
1994 war es dann soweit. Aus einem gesicherten Bestand im Kreis Coesfeld wurden 1000 Kaulquappen entnommen und in der Dingdener Heide ausgesetzt.
Da bekannt war, dass Neuansiedelungen oft missglückten, wartete man gespannt, wie sich das "Unternehmen Laubfrosch" entwickeln würde. Zur Überraschung aller verlief diese Wiederansiedelung außerordentlich positiv. Sie wird von Fachleuten heute als eine der erfolgreichsten Wiederansiedelung des Laubfrosches in Deutschland bewertet.

In der nachfolgenden Tabelle wurd aufgezeigt, wie sich der Bestand des Laubfrosches in den Jahren 1995 bis 1999 entwickelt hat:
Jahr 1995 1996 1997 1998 1999
Anzahl Rufer 12 22 27 200 300