Vogelgrippe und Vogelzug

Inhalt:

  • Zusammenfassung

  • Die Krankheit

  • - Übertragungswege

  • - Das Auftreten

  • Vogelzug und Untersuchungen an Wildvögeln

  • - Traditionelle Zugwege

  • - Zugvögel am Niederrhein und die Vogelgrippe

  • Das Risiko für die menschliche Gesundheit

  • - Tourismus

  • - Impfung, Forschung und Beobachtung

  • Das Risiko für Hausgeflügel

  • Influenza-A bei unterschiedlichen Wildvogelarten

  • Aktuelle Links
  • Zusammenfassung

    Eine Krankheit mit dem rätselhaften Namen "Influenza-A H5N1" - der diesjährige Lückenfüller für das Sommerloch?

    Rechtzeitig zur nachrichtenarmen Sommerzeit, so bekam man den Eindruck, setzte sich die asiatische Vogelgrippe in Bewegung, auf Europa zu. Zwei Dinge machen dabei Angst: zum einen eine mögliche Gefahr für heimische Geflügelbestände, zum anderen aber auch die mögliche Bedrohung der menschlichen Gesundheit. Der Geflügelvirus mit der näheren Bezeichnung H5N1 greift in Einzelfällen - wie neuerdings in asiatischen Staaten, z.B. jüngst in Indonesien beobachtet - offensichtlich auf den Menschen über. Bei uns rückten die Zugvögel als Gefahrenbringer in den Mittelpunkt der Medien. Wildgänse aus Sibirien - eine Gefahr für unser Geflügel, oder gar für uns selbst?

    Die zum Teil reißerische Berichterstattung führte zur Verunsicherung weiter Teile der Bevölkerung.

    Ohne den tödlichen Ernst gefährlicher Viruserkrankungen schmälern zu wollen: Szenarien wie "die weltumspannende Killergrippe kommt" oder "Zugvögel bringen uns die tödliche Seuche nach Europa" sind medienwirksam, aber alles andere als seriös.

    Aus den bisherigen Erkenntnissen lässt sich feststellen, dass das H5N1-Virus in seiner bisherigen Form - unter europäischen Bedingungen - keine große Gefahr für die europäische Volksgesundheit darstellt und, dass das Infektionsrisiko für Menschen sehr gering, der Verlauf der Erkrankung jedoch lebensbedrohend ist.

    Für eine Übertragung der Viren von Wildvögeln auf Hausgeflügel gibt es gegenwärtig keine Belege. Bei allen bisherigen Geflügelgrippe-Epidemien waren eindeutig menschliche Aktivitäten für die Verbreitung verantwortlich. Mögliche Schutzmaßnahmen müssen sich daher auf Geflügelbestände und menschliche Aktivitäten und nicht auf Wildvögel richten. Sowohl die erhöhte Sensibilität von Hausgeflügel für Infektionen als auch eine erhöhte Konzentration von Geflügelbeständen in einer Region sind einer raschen Verbreitung von Viruserkrankungen zuträglich.

    Von größter Bedeutung ist die konsequente Umsetzung des Transportverbots von Geflügel und Geflügelteilen aus den infizierten Gebieten nach Europa.

    Als weitere Empfehlung sei das Augenmerk auf die Einhaltung von Hygienestandards und die Vermeidung von Stressbelastungen bei der Tierhaltung - die Tiere haben dann mehr Abwehrkräfte - gerichtet.

    Damit Wissenslücken geschlossen und zukünftig ggf. notwendige Maßnahmen vorbereitet werden können, ist es dringend notwendig, das Wasservogelmonitoring zu verbessern, die Verbreitung von Grippeviren in Wasservogel- und Hausgeflügelbeständen zu beobachten und die Übertragungswege zu erforschen.

    Bei weiteren Fragen zum Thema wenden Sie sich an Dr. Johan Mooij

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    Die Krankheit

    "Aviäre Influenza", "hochpathogene Influenza Virus Infektion (HPAI)" oder "Vogelgrippe", ist eine äußerst ansteckende, von Viren verursachte Krankheit bei Tieren, die normalerweise nur Vögel, aber gelegentlich auch Säugetiere befällt. Ihre Erreger gehören zu einer großen Gruppe von Viren, die ganz allgemein für das Phänomen "Grippe" oder "Influenza" verantwortlich sind.

    Die Übertragungswege

    An der Vogelgrippe erkrankte Vögel scheiden Viren über Kot und Körperflüssigkeiten aus. Durch Gefiederpflege landen Viren im Gefieder und über den Kot im Boden. In Geflügelfarmen sammeln sich so große Mengen der Krankheitserreger im Boden und Staub. Aufgrund der hohen Konzentration der Vögel, insbesondere an Futterstellen und Tränken, können sich die weiteren Vögel einer Ansteckung kaum entziehen.

    Innerhalb einer Region mit Geflügel haltenden Betrieben wird die Vogelgrippe meist von Hof zu Hof übertragen: Infektiöser Staub kann durch Lüftung und Wind weitergetragen werden, ebenso können infiziere Geräte, Fahrzeuge, Futter, Kleidung, Schuhe, Geflügelmistdünger usw. zu einer Übertragung beitragen.

    Darüberhinaus können Tiere, z.B. Hunde, Katzen und insbesondere Mäuse und Ratten Krankheitserreger im Fell oder an den Pfoten transportieren. Obwohl noch nicht wissenschaftlich belegt, kommen möglicherweise auch Insekten, z.B. Fliegen, und Wildvögel als Überträger in Frage.

    Besonders durch Kontaktstellen zwischen Wildvogelbestand und Tierfutter - angeschnittene, nicht abgedeckte Silagehaufen sind das auffälligste Beispiel - ist generell ein Infektionsrisiko für den Haustierbestand gegeben. Auch bei der Freilandhaltung von Geflügel sind regelmäßige Kontakte mit Wildvögeln, insbesondere mit Stockenten, kaum zu vermeiden.

    Daneben spielen in einer Reihe von Ländern Geflügelmärkte, wo lebendes Geflügel, häufig unter sehr beengten und wenig hygienischen Bedingungen, verkauft wird, sowie unkontrollierte und beengte Transporte in Kleinwagen und Bussen eine nicht unbedeutende Rolle bei der Übertragung.

    Auch für die Übertragung der Vogelgrippe über größere Entfernungen sind Transporte von Tieren, Futtermitteln, Vogelmist und Vogelteilen als Ursache von größter Bedeutung. Häufig kommen Transportverbote bei Ausbruch oder Entdeckung der Krankheit zu spät, sind nicht umfassend genug oder werden unterlaufen.

    Da Vögel häufig Träger von Grippeviren sind, ohne selber zu erkranken, und Zugvögel im Rahmen ihrer Frühjahrs- und Herbstwanderungen große Entfernungen zurücklegen, liegt der Verdacht nahe, dass sie natürliche und mobile Überträger von Grippeviren sind. Es wird immer wieder gemutmaßt, dass wandernde Wasservögel, insbesondere Enten, denen man auch eine Erkrankung weniger stark anmerkt, Viren über große Distanzen transportieren und so zur Langstrecken-Übertragung der Vogelgrippeviren, auch der jetzt aufgetauchten gefährlichen Form, beitragen.

    Gegen diesen Übertragungsweg sprechen jedoch mehrere Fakten. Trotz langjähriger Forschung gibt es bis heute keine eindeutigen Belege für eine Übertragung von für Hausgeflügel oder Menschen virulenten Grippeviren durch Zugvögel. Darüber hinaus folgte die Verbreitung bisheriger Grippe-Epidemien in keinem Fall den traditionellen Zugwegen der Vögel (siehe unten). Die regionalen Ausbrüche einer Epidemie ließen sich nur in den seltensten Fällen mit dem Ablauf des Vogelzuges synchronisieren.

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    Das Auftreten

    Ein historischer Abriss der dokumentierten Vogelgrippe-Epidemien und gefährlicher Pandemien (weltumspannende Seuchen) zeigt, in welchem Maße einerseits Mast- und Zuchtgeflügel, andererseits der Mensch von den verschiedenen Ausprägungen des Grippevirus betroffen waren:

    Im Juli 2005 wurde der H5N1-Subtypus zuerst bei wilden Wasservögeln in der westlichen Mongolei und wenig später auch bei Hausgeflügel in Novosibirsk in der Russischen Föderation festgestellt. Wenig später befiel H5N1 auch Hausgeflügelbestände im Norden Kasachstans sowie in Tyumen, Omsk, Kurgan, Chelyabinsk in der Russischen Föderation. Damit hat der H5N1-Subtypus innerhalb eines Monats weit über 1.000 km gegen Westen zurückgelegt.

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    Vogelzug und Untersuchungen an Wildvögeln

    Für Geflügel hat sich das H5N1-Virus bisher insgesamt nicht als gefährlicher als die bisher bekannten Vogelgrippe-Subtypen gezeigt. Was Experten jedoch Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass das Virus nicht nur bei Menschen und Schweinen zu Infektionen führte, sondern auch bei Wildvögeln.

    So wurden im Frühjahr 2005 tausende von toten Wildvögeln in China und der Mongolei entdeckt, die - wie die Laboranalysen zeigten - Träger des H5N1-Virus waren. Es wurde die Befürchtung laut, dass die Zugvögel das Virus während ihrer Wanderungen in kurzer Zeit über große Entfernungen verbreiten könnten.

    Die Tatsache, dass bei den toten Wasservögeln das H5N1-Virus gefunden wurde, belegt jedoch keinesfalls, dass sie an diesem Virus auch gestorben sind, bzw. dass sie das Virus über weiten Entfernungen transportieren könnten. In diesem Fall waren die gefundenen Vögel wahrscheinlich eher Opfer als Transporteure der Krankheit.

    So befanden sich untere den toten Wasservögeln des chinesischen Quinghai-Sees eine große Zahl von Streifengänsen, die hier auf dem Rückzug aus dem H5N1-freien Indien Zwischenrast machten. Wie genetische Analysen zeigten, infizierten sie sich dort - erschöpft und abgemagert von ihrem bisherigen Rückflug über den Himalaya - auf unbekannte Weise mit einer H5N1-Virus-Variante, die zuvor schon auf einer südost-chinesischen Geflügelfarm (aus einer Gegend, wo die Gänse nie waren) festgestellt wurde.

    Die Verbreitung des H5N1-Vogelgrippe-Subtypus vom Südosten Asiens bis in die Mongolei kann - mit einiger Phantasie - noch mit dem Frühjahrszug anderer Wasservögel in Beziehung gebracht werden. Die weitere Verbreitung nach Novosibirsk und weiter nach Kasachstan und in die russischen Regionen um Tyumen, Omsk, Kurgan und Chelyabinsk kann jedoch nur auf eine Beteiligung des Menschen (Transsibirische Eisenbahn) zurück geführt werden.

    In diesen Regionen finden keine gezielten Zugbewegungungen von Wasser- und Watvögeln statt. Die ungezielten Wanderbewegungen dortiger Brutvögel können die schnelle Verbreitung gegen Westen nicht erklären.

    Traditionelle Zugwege ("Flyways")

    Im Laufe des Jahres legen die meisten Wasser- und Watvögel große Entfernungen zwischen ihren Brut- und Wintergebieten zurück. Die langjährige Erforschung ihrer Wanderwege mit Hilfe von Beringung, Markierung und neuerdings auch der Satellitentelemetrie haben gezeigt, dass sie für ihre Wanderwege traditionelle Zugrouten benutzen.

    Darüber hinaus zeigte sich, dass es eine relativ scharfe Trennung zwischen den einzelnen Wandervogelpopulationen in Eurasien gibt.

    Vogelzugwege (Flyways) und Ausbrüche von H5N1 in Eurasien Die Abbildung zeigt (in Anlehnung an die "Flyways" der Wader Study Group von Wetlands International ) die Vogelzugwege im eurasischen, nord-atlantischen und afrikanischen Raum und die Punkte (rot), an denen im Laufe der letzten 3 Jahre das H5N1-Virus auffiel.

    So ziehen Brutpopulationen Ostasiens im Winter nach Südostasien; die Brutvögel aus Mittelsibiriens nach Indien und Pakistan und die aus Westsibirien und Nordeuropa nach Europa und Afrika. Zwischen den einzelnen Populationen gibt es kaum Austausch.

    Die Mehrheit der in West-Europa überwinternden Wasser- und Watvögel erreicht ihre Wintergebiete über nördliche Routen, die die Regionen mit H5N1 infizierten Geflügelbestände nicht berühren. Die westpaläarktischen Wasser- und Watvögel, die in Europa überwintern und das infizierte Gebiet durchkreuzen, überwintern mehrheitlich im Südosten Europas und sind aufgrund der starken Bejagung so scheu, dass es nahezu keine Risiken gibt, dass sie mit infiziertem Hausgeflügel in Kontakt kommen könnten.

    Anders herum gibt es keine Wasser- oder Watvögel, die in Südostasien überwintern und dann zurück nach Europa fliegen.

    Zugvögel am Niederrhein und die Vogelgrippe

    In Europa brach die letzte große Geflügelseuche im März 2003 in den Niederlanden aus, während die Wintergäste unter den Vögeln schon seit längerem in östlicher Richtung auf dem Rückzug in die Brutgebiete waren. Die Geflügelgrippe breitete sich im April gegen Süden nach Belgien und im Mai nach Deutschland (NRW) aus.

    Die traditionellen Wasservogelgebiete des Unteren Niederrheins, eine Drehscheibe des westeuropäischen Wasservogelzuges, waren von der Vogelgrippe nicht betroffen. Auch im Osten Deutschlands, wo sich im März noch viele Wintergäste aus dem Westen Europas aufhalten, wurden keine Fälle der Vogelgrippe gemeldet.

    Diese Fakten geben keine Hinweise auf eine bedeutsame Rolle der ziehenden Wasservögel bei der Verbreitung einer Geflügelgrippe-Epidemie.

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    Das Risiko für die menschliche Gesundheit

    Ein Vergleich der Situation in Asien mit der in Europa

    Seit 2003 gab es in einer wachsenden Zahl von asiatischen Ländern Meldungen von Ausbrüchen einer hoch pathogenen Form der Vogelgrippe bei Hausgeflügel. Als Verursacher wurde der Subtypus H5N1 festgestellt. Im Laufe der immer wieder auflebenden Epidemie wurden auch Infektionen bei Schweinen und Menschen festgestellt, wobei bis August 2005 offiziell 112 Infektionen bei Menschen bestätigt wurden, von denen 57 starben.

    Die hygienischen Bedingungen bei der Haltung, beim Transport und beim Handel von Geflügel und Schweinen sind im asiatischen Raum - unter Ausnahme von Japan - im Durchschnitt bedeutend schlechter als in Mitteleuropa.

    Tägliche Kontakte der Bevölkerung mit Hausgeflügel sind wesentlich intensiver und zahlreicher als in Europa (Kauf großer Mengen Lebendgeflügels für Konsum, Transport mit direktem Körperkontakt im überfüllten Omnibus, Pflege von Traditionen wie Hahnenkämpfe usw.). Damit ist beim Vorhandensein der H5N1-Viren im Geflügelbestand das Infektionsrisiko in Asien um ein Vielfaches höher als in Europa. Vor diesem Hintergrund wirkt die Zahl der zwischen Januar 2004 und August 2005 festgestellten 112 Infektionen eher gering - allerdings hatte die Hälfte der Infektionen einen tödlichen Ausgang.

    Aus den bisherigen Erkenntnissen lässt sich insgesamt feststellen, dass das H5N1-Virus keine große Gefahr für die europäische Volksgesundheit darstellt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher noch nie belegt. Infektionen wurden bisher nur bei Personen festgestellt, die in engstem Kontakt mit Hausgeflügel standen.

    Tourismus

    Auf den Tourismus bezogen, lässt sich ähnliches feststellen. Obwohl viele tausend europäische Touristen seit 2003 Urlaub in Südost-Asien machten, gab es kein einziger Fall einer H5N1-Infektion bei diesen Ferntouristen. Aufgrund dieser Erkenntnisse muss davon ausgegangen werden, dass das menschliche Infektionsrisiko gering ist und es nur geringe Risiken gibt, dass sich beim Auftreten des Virus in Europa Menschen infizieren können.

    Impfung, Forschung und Beobachtung

    Es gab dokumentierte große Grippe-Epidemien in 1918, 1956 und 1968 (Zwischenzeit also 38 bzw. 12 Jahre, Mittelwert 25 Jahre).

    Dies führte in den Medien zu der "Experten"-Aussage, dass es alle 30 Jahre Grippe-Epidemien gebe, und die nächste Epidemie schon längst überfällig sei.
    Es ist schlichtweg unseriös, aus diesen drei Ereignissen einen statistischen Mittelwert zu berechnen und - noch schlimmer - daraus eine mathematische Notwendigkeit abzuleiten. Mittelwerte heran zu ziehen, um Vorhersagen zum Eintreffen eines Ereignisses zu machen, ist zum einen mathematisch falsch, zum anderen berücksichtigt diese "Berechnung" keinerlei andere Faktoren wie z.B. gewachsenes - oder geschrumpftes - Vorsorgeniveau, Forschungsfortschritte etc.

    Die seitdem fast jährlich auftretenden kleineren "Grippewellen" wurden alle durch die Influenza-A-Virus-Subtypen H0N1, H1N1, H2N2 und H3N2 verursacht, die durch die gegenwärtig übliche Grippeschutzimpfung abgedeckt werden. Die Schutzimpfung ist jedoch nur gegen diese Subtypen wirksam. Durch eine überstandene Infektion mit einem anderen Virus-Subtypus kann der Mensch noch gegenüber weitere Subtypen immun sein, aber die Immunisierung ist immer subtypen-spezifisch.

    Käme ein neuer Subtypus, so träfe der auf eine nahezu ungeschützte Bevölkerung und könnte leicht zu einer neuen Grippe-Pandemie führen.

    Daher ist eine ständige Beobachtung der Entwicklung und Verbreitung der bekannten Subtypen dringend notwendig, um möglichst frühzeitig erkennen zu können, ob einer dieser Subtypen für Menschen gefährlich werden könnte bzw. die Fähigkeit einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung erwirbt.

    Gegenwärtig zeigt sich H5N1 als schwer auf den Menschen übertragbar. Es gibt keine Belege einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Es gibt also keine Gründe für Panik. Da der Verlauf der Krankheit aber lebensbedrohlich ist und die Grippeviren sich ständig ändern können, ist eine laufende Beobachtung der Situation notwendig.

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    Das Risiko für Hausgeflügel

    Wie eingangs erwähnt, zeigt sich die Vogelgrippe in einer milden und einer hoch pathogenen Erscheinungsform. Der neue Vogelgrippe-Subtypus H5N1 gehört der letzteren Form an und führt in den infizierten Geflügelbeständen in kurzer Zeit zum Totalverlust.

    Kann es durch die Übertragung eines gefährlichen Virus, wie z.B. H5N1 vom Wildvogel auf das Hausgeflügel zu einer Geflügelgrippe bei uns kommen? Wie sieht eigentlich der bisherige Kontakt und Austausch von Viren zwischen Hausgeflügel und frei lebenden Vögeln aus?

    Influenza-A bei unterschiedlichen Wildvogelarten

    In den vergangenen Jahrzehnten wurden weit über 20.000 Wildvögel auf (allgemein alle Influenza-A) Vogelgrippeviren untersucht. Hierbei wurde festgestellt, dass ein Anteil von nur 3% der untersuchten Singvögel Influenza-A-Viren in sich trägt, während bei Wasservögeln zum Teil recht hohe Werte ermittelt wurden. So wurden bei rund 7 % der Bläßhühner, ca. 15 % der Entenvögel und fast 19 % der Möwen Influenza-A-Viren gefunden. Bei den Tauchenten trugen rund 23 % der untersuchten Vögel Grippeviren in sich und bei den Schwimmenten rund 52 %, wobei die Viren bei fast 64 % der Stockenten und bei rund 31,5 % der übrigen Schwimmenten gefunden wurden.

    Trotz der engen Kontakte von Stockenten zu Hausgeflügel und der hohen Anteil Influenza-A-Viren-tragender Stockenten gibt es keine Belege für eine Übertragung der Viren auf Hausgeflügel.

    Langzeituntersuchungen zeigen auch, dass die Häufigkeit und Auftrittfrequenz einzelner Virentypen in Wildvögeln und Hausgeflügel stark unterschiedlich sind. Diese Tatsache könnte darauf hinweisen, dass es für Wildvögel und Hausgeflügel jeweils eigenständige Übertragungszyklen gibt und dass ein Austausch auf einem nur relativ niedrigen Niveau statt findet.

    Für eine Übertragung der Viren von Wildvögeln auf Hausgeflügel gibt es gegenwärtig keine Belege. Keine der großen Hausgeflügelgrippe-Epidemien läßt sich in einem engeren Zusammenhang mit dem Vogelzug bringen. Daher ist das Risiko einer Infektion als gering einzuschätzen, aber intensive Beobachtung ist unerlässlich.

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